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Rahel (Rachel) Morpurgo (8. April 1790, Triest – 1871, Triest)

Rahel Morpurgo, Tochter von Benetto und Benetta Luzzatto. Eine unverheiratete Tante derselben, ein gelähmtes, bis zur Erde gekrümmtes, bemittleidenswertbes Geschöpf, Consola Luzzatto, fand in ihrem erbarmungswürdigen Dasein Trost im Studium des Hebräischen; sie konnte ausser in anderen wissenschaftlichen Werken im Talmud lesen und schöpfte aus diesem gedankenvollen Riesenwerk Muth und Geduld zum Weiterleben. Ihr Beispiel mag viel beigetragen haben, dass die jugendschöne Rahel sich ebenfalls zur Talmudkennerin heranbildete.

Anfänglich lernte sie bei einem Oheim die Drechslerei, dann noch das Schneiderhandwerk; daneben aber studirte sie unausgesetzt die jüdische Wissenschaft; sie las die Bibel im Urtext, machte sich mit den Commentaren, namentlich dem Badschi bekannt, und las überhaupt sehr viel, jedoch mit strenger Auswahl, da sie hauptsächlich die treffliche Bibliothek ihres Bruders benutzte.

Bei ihrem Wissen viel umworben, wies sie zum Befremden von Verwandten und Freunden jahrelang alle Anträge zurück und schien unvermählt bleiben zu wollen, als es sich herausstellte, dass sie seit Jahren heimlich verlobt war, mit einem Manne aus einem andern Ort. — Er stand in jeder Beziehung unter ihr, dennoch blieb sie ihm treu und heirathete ihn endlich.

Die Ehe war nicht glücklich. — Ihr Gatte und später die nebst einer Tochter unvermählt im Hause verbleibenden drei Söhne schufen ihr eine Arbeitslast, welche ihre Kraft und Zeit über Gebühr in Anspruch nahm. Nur in schlaflosen Nächten suchte Rahel Zerstreuung und Erquickung in der hebräischen Poesie.

Ein Bändchen ihrer gesammelten hebräischen Gedichte, welche sich durch eine ausserordentliche Strenge und Schönheit der rhytmischen Formen, freilich zuweilen auf Kosten des poetischen Gehalts, auszeichnen, hat Professor Castiglione mit einer hebräischen und italienischen Biographie der Verfasserin 1890 herausgegeben.

Interessant war ihre ausgedehnte, meist in hebräischer Sprache geführte Correspondenz mit den bedeutendsten Glaubensgenossen ihrer Zeit. Die fromme und bescheidene Frau starb 1871 in Triest. Ihre Verwandte Thamar Luzzatto und Deborah Ephrosi haben sich gleichfalls als gelehrte Frauen vortheilhaft bekannt gemacht.

aus: Nahida Ruth Lazarus (Nahida Remy), Das jüdische Weib, Verlag Siegfried Cronbach, Berlin, 1896.


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