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Biographie

Maurice Barrès (19. August 1862, Charmes-sur-Moselle – 4. Dezember 1923, Neuilly-sur-Seine)

Der in seinen besten Zeiten zugleich als Autor und homo politicus sehr bekannte und einflussreiche Barrès wurde geboren in Charmes-sur-Moselle (Vogesen) nahe der nach dem Krieg von 1870/71 neugezogenen deutsch-französischen Grenze (die in etwa dem damaligen Verlauf der Sprachgrenze folgte). Seine Gymnasialjahre verbrachte er als Internatsschüler in Nancy, quasi mit dem Blick auf die von den Revanchisten in Frankreich vielzitierte "ligne bleue des Vosges" (= die blaue Horizontlinie der Vogesen). So wurde auch er sehr früh zum Nationalisten, der Rache forderte an Deutschland.

1882 ging er nach Paris, wo er Jura studieren sollte, zugleich aber als ein eher den Symbolisten denn den Naturalisten nahestehender Feuilletonist und Erzähler eine literarische Karriere zu beginnen versuchte. Er schrieb zunächst für eine monatlich erscheinende Zeitschrift Jeune France bevor er seine eigene Zeitschrift gründete, Taches d'encre, die allerdings nur wenige Monate lang erschien. 1888 wurde der Roman Sous l'oeil des barbares (= unter den Augen der Barbaren) sein Durchbruch. Es ist der erste Teil der stark autobiografischen Romantrilogie Le Culte du moi (= Kult des Ich), deren Protagonist ein junger Intellektueller ist, der in die Pariser Fin de Siècle-Kultur eintaucht, in dieser als überfeinert und kosmopolitisch überfremdet vorgestellten Welt aber keinen Halt findet, weshalb er schließlich seinem dekadenten Narzissmus abschwört, heimkehrt in sein angestammtes Lothringen und dort zu den nationalen Traditionen und zum Katholizismus zurückfindet.

1889 wurde Barrès folgerichtig Anhänger des politisch rechtsaußen agierenden populistischen Generals Georges Boulanger ("le Général Revanche") und war aktiv in dessen kurzlebiger nationalistischen und revanchistischen Bewegung; für eine Legislaturperiode (1889-93) war er boulangistischer Parlamentsabgeordneter für den Wahlkreis Nancy. Auch nach dem Selbstmord Boulangers (1891) und der Auflösung seiner Bewegung betätigte er sich als rechts stehender Intellektueller und Politiker, scheiterte aber viermal beim Versuch, wieder ins Parlament einzuziehen. Im Rahmen der Frankreich spaltenden Dreyfus-Affäre (1898) bezog er Position als "Anti-Dreyfusard".

1892 erschien L'ennemi des lois und eine Sammlung von Reiseberichten mit dem Titel Du sang, de la volupté, de la mort.

1897-1901 ließ Barrès eine weitere Trilogie erscheinen: Le Roman de l'énergie nationale (=der Roman der nationalen Energie). Es ist die Geschichte einiger junger Lothringer, die zunächst nach Paris gehen, "entwurzelt" werden (Teil 1 heißt auch Les déracinés/Die Entwurzelten), dies aber zumindest teilweise bemerken, heimkehren und für die Rückeroberung des von den Deutschen annektierten Elsass und (Deutsch-)Lothringens kämpfen.

1906 war das Jahr seines Triumphes: Barrès wurde in die Académie française aufgenommen und auch endlich wieder zum Abgeordneten gewählt (Wahlkreis Neuilly bei Paris), was er bis zu seinem Tod blieb, obwohl er eigentlich Anti-Parlamentarist war.

1913 hatte er eine weitere Romantrilogie fertig: Les bastions de l'Est (=die Bastionen des Ostens). Die ersten Bände, Au service de l'Allemagne (=im Dienste Deutschlands, 1905) und Colette Baudoche (1909), sind Geschichten voller nationalistisch-antideutscher Ressentiments, der dritte, La Colline inspirée (=der beseelte Hügel, 1912), handelt von der national inspirierten Auflehnung dreier lothringischer Priester gegen die ultramontane römische Amtskirche.

1914 arrivierte Barrès als Nachfolger von Paul Déroulède, dem turbulenten "poète national" (1846-1914), zum Chef der antideutschen, antisemitischen und antiparlamentarischen Ligue des patriotes; im anschließenden Weltkrieg 1914-18 betätigte er sich publizistisch an vorderster Front mit einem antideutschen militaristischen Zeitungsartikel pro Tag.

Nach dem Kriegsende allerdings wurde Maurice Barrès vor allem für die Surrealisten zur Negativfigur der französischen Literatur schlechthin, berühmt wurde der von André Breton angestrengte Schauprozeß gegen Barrès als surrealistisches Event. Jedoch wurde Barrès vor allem aufgrund seiner stilistisch ausgefeilten Sprache auch weiterhin bewundert, so unter anderem auch von politisch eher linksstehenden Intellektuellen wie Louis Aragon und François Mitterrand. Des Weiteren beeinflusste er das Werk von André Gide (dessen Gegner er nach 1900 wurde), François Mauriac und André Malraux. In Deutschland wurde Barrès u.a. von Hermann Bahr geschätzt.

Bibliographie

Verwendete Quelle: Artikel Maurice Barrès. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. Dezember 2006, 20:14 UTC.
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(Abgerufen: 5. Januar 2007, 11:26 UTC)
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