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Meta (Anna Barbara Margaretha) Heusser-Schweizer (6. April 1797, Hirzel bei Horgen (Kanton Zürich) – 2. Januar 1876, Hirzel bei Horgen (Kanton Zürich))

Meta Heusser-Schweizer, religiöse Dichterin, wurde als Tochter des Pfarrers Diethelm Schweizer (gest. 1824) geboren.

Metas Vater stammte aus Zürich und gehörte jenem Kreis an, der sich um den Pfarrer Johann Kaspar Lavater gebildet hatte. Nach zwölfjähriger Wirksamkeit in Diepoldsau (Rheintal) war er 1796 in das damals ganz abgeschiedene Bauerndörfchen Hirzel gekommen. Ihre Mutter, Anna Geßner (gest. 1836), hatte ihre Kindheit und Jugendzeit im Pfarrhaus in Dübendorf bei Zürich verlebt. Ihr Bruder, Georg Geßner, war Pfarrer in Zürich und wurde 1828 Antistes der Zürcher Kirche. In völliger Zurückgezogenheit von der Welt wuchs Meta mit vier Schwestern heran. Von ihrem Vater wurden sie im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet. Eine andere, etwa höhere Schulbildung hat Meta nie erhalten. Mit Begeisterung lernte sie am Spinnrad mit ihren Schwestern Friedrich Schillers Balladen; auch für die Gedichte von Ernst Moritz Arndt, Max von Schenkendorf und Theodor Körner zeigte sie große Vorliebe.

Willkommene Abwechslung und geistige Anregung brachten die zahlreichen Besuche von Verwandten und Freunden aus Zürich. Gegenbesuche der Eltern und Kinder waren für sie stets ein Erlebnis. Eine besondere Freude und Ehre war es für Metas Vater, als im Oktober 1803 Johann Michael Sailer, der spätere Bischof von Regensburg, in Begleitung des Pfarrers Meyer von Meggen am Vierwaldstättersee im Pfarrhaus zu Hirzel einkehrte. Anna Schlatter-Bernet, die Gattin des Kaufmanns Hektor Schlatter in St. Gallen, reiste mit ihrer Tochter Kleophea nach Zürich zu Lavaters Witwe und besuchte bei dieser Gelegenheit auch die Familie Schweizer. Damals begegneten sich Meta und Kleophea zum erstenmal und schlossen Freundschaft miteinander. Mit 16 Jahren durfte Meta ihre erste Reise aus ihrer Bergeinsamkeit nach St. Gallen zu der Familie Schlatter machen. Durch den Umgang mit einem "Bergpropheten", dem Naturarzt und Mystiker Hans Jakob Schäfer in Appenzell, der damals in ihrem Elternhaus viel verkehrte, erlebte Kleophea eines Tages eine innere Umwandlung und drang zum lebendigen Glauben an Jesus Christus durch. Sie berichtete davon Meta und ruhte nicht, bis auch ihre Freundin die gleiche Erfahrung machen durfte. Das war um das Jahr 1817. Meta weilte 1818 wiederum als Gast in der Familie Schlatter. Die Freundinnen wuchsen immer inniger zusammen und verkehrten brieflich rege miteinander. Kleophea folgte 1818 der Einladung einer Tante nach Dresden und wurde später Erzieherin in Peterswaldau (Schlesien) und 1825 Gattin des Theologen Zahn in Giebichenstein bei Halle (Saale). Während eines Besuches in der Heimat kam Kleophea 1856 für kurze Zeit auch zu Meta nach Hirzel. Es war das letzte Beisammensein der Freundinnen; denn schon im Herbst 1860 starb Kleophea. Ohne Metas Wissen veröffentlichte Adolf Zahn, Domprediger in Halle (Saale), 1862 den Briefwechsel der beiden Freundinnen. Diese Briefe gewähren uns einen Einblick in das Glaubens- und Seelenleben der Dichterin.

Seit 1821 war Meta mit dem Arzt Johann Jakob Heußer verheiratet. Er entstammte einem alten Bauerngeschlecht aus Hombrechtikon im Zürcher Oberland und hatte 1805-10 in Zürich studiert und ließ sich in Hirzel nieder. Chirurgie und Geisteskrankheiten waren sein Spezialgebiet. Bei seiner Werbung um Meta hatte er 1820 seinem alten und kränklichen Schwiegervater versprochen, die Familie bei sich aufzunehmen, wenn das Pfarrhaus verlassen werden müsse. Als Pfarrer Schweizer 1824 im Alter von 74 Jahren heimging, löste Dr. Heußer sein Versprechen ein: die Pfarrerswitwe siedelte mit zwei ihrer Schwestern und zwei Töchtern in das Doktorhaus über. Der Herr schenkte dem Ehepaar Heußer drei Söhne und vier Töchter, nahm aber den Eltern einen Sohn wieder in zartem Kindesalter. Einer Freundin schrieb Meta: "Siehe, es ist einer der schrecklichsten Schmerzen auf der schmerzensreichen Erde, ein Kindlein sterben zu sehen; er wacht noch immer wieder mit neuer Stärke in mir auf, obwohl ich mich dazwischen auch freue, solch Herz von meinem Herzen bei meinem Heiland zu haben". Von den Kindern wurde Johanna Spyri als Jugendschriftstellerin bekannt. Nach 38jähriger Ehe wurde Meta H. Witwe; ihr Gatte starb im Herbst 1859 im Alter von 76 Jahren. "Hindurch, hinüber, hinauf gehet der Pilger Lauf. Hin durch des Lebens Gluten, hin über Todesfluten, freudig hinauf, dem Einen nach, der uns die Bahn in den Himmel brach".

Für Meta H. folgten nun noch 17 Jahre des Witwenstandes. Genau am gleichen Tag und zur selben Stunde, da vor 40 Jahren ihre Mutter starb, ging sie heim. "Wir werden bei dem Herrn sein allezeit. Du Heimatlaut in fremden Pilgertalen! Tiefdunkel ist die ernste Ewigkeit; doch wie durch Nachtgewölk des Mondes Strahlen glänzt der Verheißung Licht durch Todesleid: Wir werden bei dem Herrn sein allezeit". Meta H.s Gedichte entstanden in größter Verborgenheit, in stillen, einsamen Stunden, besonders des Nachts. Zahlreich sind ihre gehaltvollen Trostlieder. Ihre Lob- und Danklieder sind wahre Perlen christlichen Liedguts. Sie war ängstlich darauf bedacht, daß keines Ihrer Gedichte in unberufene, fremde Hände gelange oder gar veröffentlicht werde. Der Stuttgarter Dichterpfarrer Albert Knapp (s.d.) trat 1833 durch Vermittlung von Gerold Meyer von Knonau zu Meta H. in Beziehung. Es gelang ihm, ihr einige Lieder zur Veröffentlichung in seinem christlichen Taschenbuch "Christoterpe" abzuringen. Sie willigte aber nur unter der Bedingung ein, daß ihr Name nicht genannt werde. So erschienen mehr als 30 ihrer Dichtungen anonym als "Lieder einer Verborgenen" oder "Lieder einer Christin" in einigen der Jahrgänge 1834-52 der "Christoterpe". Knapp traf 1858 mit Meta H. persönlich zusammen und erreichte eine erste Sammlung ihrer Gedichte unter dem Titel "Lieder einer Verborgenen" ohne Angabe ihres Namens herausgeben zu dürfen. Auf vielfaches Drängen trat die Dichtern schließlich aus ihrer Verborgenheit hervor und bekannte sich mit ihrem vollen Namen zu den Liedern von 1858, als 1863 von ihnen eine zweite Auflage herauskam. Das Jahr 1867 brachte eine zweite, der ersten durchaus ebenbürtige Sammlung ihrer Gedichte. Ein Jahr vor ihrem Tod erschien eine Auswahl ihrer Gedichte in New York in englischer Übersetzung. Von ihren Liedern ist bekannt "Lamm, das gelitten, und Löwe, der siegreich gerungen, blutendes Opfer und Held, der die Hölle bezwungen! " aus dem Lied "Hör ich euch wieder, ihr Töne des Frühlings, erklingen", das Meta H. im März 1833 dichtete bei einem Gang von den noch mit Schnee bedeckten heimatlichen Höhen an den benachbarten Zugersee, an dem schon der Frühling sich regte; es erschien 1836 in der "Christoterpe". Für ein Missionsfest in der Schweiz dichtete sie 1834 "Es liegt die Macht in meinen Händen, der Himmel und die Erd ist mein. Ich will, bis sich die Zeiten enden, an jedem Tage bei euch sein". Die Mutterliebe trieb Meta H. oft noch spät nachts an die Betten ihrer Kinder. Dort entstand 1827 das 1836 in die "Christoterpe" aufgenommene Lied "Dunkel ist's. Des Lebens laute Töne sind verstummt in tiefer Mitternacht". Daraus seien als Gebet für ihre Kinder die beiden Strophen angeführt: "Dein sind sie. Du hast sie mir gegeben, wieder leg ich sie an deine Brust; da versiegle sie zum ewgen Leben, mache deiner Liebe sie bewußt. - Schreib ins Buch des Lebens ihre Namen, jene neuen, die die Welt nicht kennt; halt in heilgem Bunde sie zusammen, binde du, wenn je die Welt sie trennt " Am 20.3. 1859 dichtete sie: "Ich weiß, daß mein Erlöser lebet und daß er ewig Treue hält." - In seinem Werk "Die deutschen Dichter der Neuzeit und Gegenwart" (9 Bde., 1884-1905) bemerkt Karl Leimbach: "Unfraglich haben wir eine der bedeutendsten evangelischen Dichterinnen der Neuzeit in Meta H. anzuerkennen." Otto Kraus erklärt in seinen "Geistlichen Liedern im 19. Jahrhundert": "Meta H. ist unzweifelhaft die bedeutendste der geistlichen Dichterinnen, die in unseren Tagen der evangelischen Kirche angehören."

Werke: Lieder einer Verborgenen (77 Nr. in 4 Abschn.: 1. Naturanschauungen, 2. Inneres Leben. 3. Mutterworte.4.Gelegenheitsgedichte), hrsg. v. Albert Knapp. 1858 (l8984); Gedichte (2. Smlg.: 151 Nr. in 6 Abschn.: 1. Naturanschauungen. 2. In die Bll. einer Blumenmalerin. 3. Mutterworte. 4. Rätselbuch f. die Kinder und Enkel. 5. Aus dem Leben. 6. Gelegenheitsgedichte), 1867 (18682). - Alpine lycris, a selection from the poems of M. H.-S., 1875 (mit Lb. M. H.s v. Rochter Regula H.).

Briefe: Adolf Zahn, Frauenbriefe v. Anna Schlatter, Wilhelmine v. der Heydt, Kleophea Zahn u. der Verborgenen, 1862.- Anna Schlatter, Leben u. Nachlaß. II: Briefe an ihre Freunde, 1865.

Lit.: Konrad Menzel, Nachruf f. M. H., in: Daheim 1876, Nr. 32;- L. Pestalozzi, M. H.-Sch. Lb. einer christl. Dichterin, in: Zürcher Taschenbuch f. 1896; - Paul Sutermeister, M. H., in: Neue Zürcher Ztg. 1897, Nr. 96 f.; - Ders., Aus dem Leben einer Verborgenen, in: ChW 11, 1897. 332 f. 345 ff.; - Ders., M. H.-Sch. Lb. einer christl. Dichterin, Basel 1898:- Anna Ulrich, Johanna Spyri. Erinnerungen aus ihrer Kindheit, Zürich u. Gotha o. J.; - Ein Sommerabend im M.-H.-Heim. Erinnerungsbl. an unsere Gäste, Zürich 1928; - Alfred Stucki, M. H. Die christliche Dichtern, Basel 1949.- M. H.-Sch., mit 5 weiteren Aufss. über H., zus.gest. v. H. Brunner u. Verena Bodmer-Gessner. Die Zürcherinnen, l9663; - Koch VII, 377 Uf.; - Kosch, LL II, 969;- ADB XII, 339 f.; - NDB IX, 57 f.; - HBLS IV, 214.


Mit freundlicher Genehmigung des Traugott Bautz Verlages. Aus: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon

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