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Biographie

Angelika (Angelica) von Hörmann (28. April 1843, Innsbruck – 23. Februar 1921, Innsbruck)

Angelika (Angelica) von Hörmann, geb. Geiger, war die erste bekannte tiroler Dichterin.

Folgendes aus: Österreichische Frauen-Rundschau. 11. Jg., Nr. 110, 1913

Angelika von Hörmann, eine der besten deutschen Dichterinnen, feierte kürzlich in Innsbruck ihren 70. Geburlstag. In dieser Stadt stand die Wiege der Gefeierten, hier lebt sie seit einer langen Reihe von Jahren an der Seite ihres Gatten, des bekannten Kulturhistorikers Dr. Ludwig von Hörmann, im Kreise ihrer Kinder. Still und bescheiden gleitet sie dahin im Strome der Menschen, unbeachtet von der Alltagsmenge, desto mehr aber geschätzt von jenen, welche sie näher kennen. Als lyrische Dichterin hat sie sich einen gelingenden Namen erworben, Männer, wie Pichler, Rosegger u. a. zollen ihr uneingeschränkte Anerkennung. Ihre Gedichte, welche in den Sammlungen «Grüße'aus Tirol» (1869), «Neue Gedichte» (1893) und «Auf stillen Wegen» (1906) vereint sind, zeichnen sich durch schlichte Schönheit der Sprache aus, durch Wahrheit und Innigkeit der Empfindung. In ihren epischen Dichtungen «Oswald von Wolkensten» (1890) und «Die Sal[i]g-Fräulein (1875) behandelt Angelika von Hörmann Stoffe aus Geschichte und Sage ihres Heimatlandes, In beiden Werken nimmt uns die Erzählungskunst der Dichterin gefangen, welcher der Vers nie zum Hymnus, sondern stets zur Zierde ihrer Darstellung wird. Naturschilderungen, welche den poetischen Zauber des Alpenlandes treulich wiedergeben, sind da und dort mit der geschickt aufgebauten Handlung verflochten. Angelika von Hörmann ist aber nicht allein eine echte Dichterin, ebenso echt und vollwertig erscheint sie in ihrem Beruf als Gattin und Mutter. Sie zeigt uns, welcher Vielseitigkeit eine starke Frauennatur fähig ist. — Aus Anlaß ihres 70. Geburtstages veranstaltete der «Allgemeine Tiroler- und Vorarlberger Journalisten- und Schriftsteller-Verein» der Dichterin zu Ehren im großen Stadtsaale zu Innsbruck eine Festfeier. Literarihistoriker Dr. Arnulf. Sonntag aus München hielt eine Festrede, in welcher er einen tiefen Einblick in die Werke der Jubilarin gewährte. Mehrere Frauenvereine, Mitveranstalter dieser schönen Feier, brachten ihre Huldigung dar. Frau Dr. Eckert übermittelte die Glückwünsche und Geschenke der Vereinigung der arbeitenden Frauen, Innsbruck. Die Frauen- und Mädchen-Ortsgruppen der Südmark, des Deutschen Schulvereines und des Tiroler Volksbundes hatten ebenfalls Vertreterinnen entsendet, welche der Dichterin, die für das bedrängte Deutschtum so manche Lanze gebrochen hat, Glückwünsche und Festgaben darbrachten. Namens des Tiroler Volksbundes überreichte Frau V. Brunner die Werke Ottokar Kernstocks und rezitierte dessen eigenhändige Widmung an die Gefeierte:

«Dein Haar beschneit, Dein Sommer hin –
Dir aber tut's nicht weh.
Du gleichst der Christwurz, Dichterin,
die blüht auch unterm Schnee!» –

Die außerordentlich schone Feier bedeutet einen großen Erfolg, eine Anerkennung tiefen Frauenstrebens.


Bibliographie