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Fanny Lewald, geb. Fanny Marcus (24. März 1811, Königsberg, Preußen – 5. August 1889, Dresden)

Prosa

Von Geschlecht zu Geschlecht epub »Das Besondere ePub«    epub

Fanny Lewald, Von Geschlecht zu Geschlecht, Druck und Verlag von Otto Janke, Berlin, 1864 und 1866; Das Werk erschien ursprünglich in zwei Abteilungen: Erste Abteilung 1864, 3 Bde., Zweite Abteilung 1866, 5 Bde.


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Fanny Lewald, Für und wider die Frauen, Vierzehn Briefe, Verlag von Otto Janke, Berlin, 1870



Fanny Lewald, geb. Fanny Marcus (24. März 1811, Königsberg, Preußen – 5. August 1889, Dresden)

Fanny Lewald war eine deutsche Schriftstellerin.

Geboren als ältestes von neun Kindern des jüdischen Kaufmanns David Marcus und seiner Frau Zipora, geb. Assur, trug sie den Namen Marcus, bis der Vater 1831 seine gesamte Familie in Lewald umbenennen ließ. Bereits 1826 hatte er seinen beiden Söhnen und 1829 seiner Tochter den Übertritt zum protestantischen Glauben gestattet – im Bestreben, den Kindern zu helfen, ihre soziale Außenseitersituation zu überwinden, den Söhnen freie Berufswahl und Lewald die Eheschließung mit einem christlichen Mann zu ermöglichen. Obgleich ihre Familie nicht religiös war, bekam Lewald schon als kleines Kind und 1819 bei den Hep-Hep-Unruhen antisemitische Anfeindungen zu spüren. Unmittelbar nach der Taufe bereute sie den Übergang zum Christentum, da sie der Vorstellung eines persönlichen Gottes zunehmend kritisch, ja ablehnend gegenüberstand.

Bis zum 14. Lebensjahr besuchte Lewald eine Privatschule, da ihr Vater trotz seiner Vorbehalte gegen die sogenannten gelehrten Frauenzimmer dem Bildungshunger seiner hochbegabten ältesten Tochter nachgab. Ein Universitätsstudium, das ihren Brüdern selbstverständlich zustand, kam für sie – wie im 19. Jahrhundert für Frauen üblich – nicht in Frage. Lewald wurden die Betätigungen übertragen, die sich für eine gebildete Bürgerin ihres Standes gehörten: Handarbeiten und leichte Hausarbeiten, außerdem Klavierspiel und etwas Lektüre. Zeitweise, während einer schweren Erkrankung ihrer Mutter, führte sie den großen Haushalt der Familie.

Dass Lewald es schaffte, sich als erfolgreiche und geachtete Schriftstellerin durchzusetzen, zeugt von Selbstbewusstsein, Mut und Talent.

Nachdem bereits in der von ihrem Cousin, dem Publizisten August Lewald (1792–1871) geleiteten Zeitschrift Europa einige Artikel von ihr erschienen waren, veröffentlichte sie 1843 die beiden Romane Clementine und Jenny – aus Rücksicht auf die Familie zunächst anonym. Allen inneren und äußeren Widerständen zum Trotz, suchte sie seither ihren Lebensunterhalt mit der Schriftstellerei zu bestreiten, verließ Königsberg und zog nach Berlin.

In das Jahr 1845 fielen zwei entscheidende Begegnungen. Lewald lernte die Schriftstellerin Therese von Bacheracht kennen, mit der sie für die nächsten Jahre, bis zu deren Tod 1852 eine enge Freundschaft verband. Und sie traf während ihres ersten großen Auslandsaufenthaltes 1845/46 in Rom auf den Mann, der zur großen Liebe ihres Lebens wurde, den Oldenburger Gymnasiallehrer, Kritiker und Schriftsteller Adolf Stahr (1805–1876). Stahr wollte seine Frau und seine fünf Kinder zunächst nicht verlassen, aber auch die Beziehung zu Lewald nicht aufgeben. Eine Dreiecksbeziehung war jedoch besonders für Lewald inakzeptabel. Es folgten Jahre, in denen Lewald und Stahr sich jeweils wenige Wochen sahen, bevor Stahr sich entschied und im Herbst 1852 zu Lewald nach Berlin zog. Bis Stahrs Ehe geschieden wurde und sie heiraten konnten, dauerte es weitere zweieinhalb Jahre.

Lewald verstarb 1889 in Dresden, wo heute die Fanny-Lewald-Straße an sie erinnert.

  

Lewald war eine entschiedene Vorkämpferin der Frauenemanzipation: Sie forderte das uneingeschränkte Recht der Frauen auf Bildung und auf gewerbliche Arbeit ebenso wie sie sich gegen die Zwangsverheiratung junger Frauen einsetzte: Sie selbst hatte sich in ihrer Jugend erfolgreich der Verheiratung mit einem ungeliebten Mann widersetzt. Auch gegen das Scheidungsverbot opponierte sie und sprach sich in ihrem dritten Roman Die Lebensfrage für die Erleichterung der Ehescheidung aus. Soziale Fragen beschäftigten sie immer wieder, so in Der dritte Stand (1846) oder Die Lage der weiblichen Dienstboten (1843). Aber auch fantasievolle Erzählungen und Reisebilder gehörten zum Repertoire der reisefreudigen Schriftstellerin.

Lewald analysierte die Konventionen und Traditionen ihrer Zeit kritisch und mit großem analytischen Verstand. Sie sparte auch nicht an selbstkritischen Äußerungen gegen sich und das weibliche Geschlecht.

Zu ihrem Freundes- und Bekanntenkreis gehörten neben vielen anderen Heinrich Heine, Herzog Carl Alexander (Sachsen-Weimar-Eisenach), Franz Liszt, Karl August Varnhagen von Ense, Ferdinand Lassalle, Hedwig Dohm, Ernst Dohm, Johann Jacoby und Heinrich Laube. Nach der Revolution von 1848 gründete die „deutsche George Sand“ einen einflussreichen politisch-literarischen Salon in Berlin.

Lewalds Schriften sind von einem klaren Schreibstil geprägt, den romantisch-sentimentalen Tenor ihrer Zeit lehnte sie entschieden ab. Ihre bitterböse Satire Diogena (1847), die sie ihrer Schriftstellerkollegin Ida Hahn-Hahn zudachte, zeigt das deutlich. Von Witz und analytischen Sachverstand geprägt, sind ihre Schriften auch für den modernen Leser noch eine interessante und gut lesbare Lektüre. In den 1990er-Jahren wurde das Werk von Fanny Lewald im Ulrike Helmer Verlag wieder aufgelegt.

Verwendete Quelle: Artikel Fanny Lewald in: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Fanny_Lewald

Dieser Artikel (Quellenangabe) basiert auf dem Artikel aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht seit Juli 2009 unter der Creative Commons Attribution/Share-Alike-Lizenz – vormals GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.