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Wilhelmine Gräfin von Almásy (verehelichte Gräfin von Wickenburg) (8. April 1845, Buda (Ungarn) – 1889 (nach: Pesti Napló 1889. 23. sz.))

Wilhelmine Gräfin von Almásy, Tochter des als Staatsmann bekannten geheimrathes Moritz Grafen von Almásy, wurde zu Ofen am 8. April 1845 geboren. Schon in ihrem neunten Jahre mit ihren Eltern nach Wien gezogen, ward ihr dieses eine zweite Vaterstadt. Zwanzig Jahre alt ließ sie den ersten Band Gedichte drucken, von denen sie viele schon in ihrem siebzehnten und achtzehnten geschrieben.

Es war eine Auflage von nur hundert Exemplaren, die sie unter Freunden und Bekannten vertheilte; das Buch wurde aber auch in weiteren Kreisen bekannt und, durch günstige Rezensionen ermuthigt, veranstaltete sie eine zweite Auflage, die nunmehr im buchhändlerischen Wege vertriebn wurde. Bei diesen ersten poetischen leistungen war das anmuthige Talent, der zarteste, feinste Frauensinn und die warme Empfindung, die sich in gefälliger Form auszuprägen versteht, deutlich zu erkennen. – Mit dem als echten Edelmann, durch seinen feinen Sinn für Kunst und Poesie – in weitern Kreisen bekannten Grafen Albrecht v. Wickenburg, k. k. Kämmerer (geb. 4. Dezember 1838) am 5. November 1868 zu Wien vermählt, darf es nicht Wunder nehmen, daß die jugendliche Dichterin an der Seite eines geliebten und geistig ebenbürtigen Gatten in ihrem Schaffendrange erstarkte, und wir sehen sie in der That zwei Jahre später (1869) mit einem zweiten Bande »Neue Gedichte« vor das Forum der Öffentlichkeit treten. Die eigenthümliche Sinnlichkeit der Auffassung und eine ebenso originelle als frische Gestaltung ermöglichen es ihr, das versmaß – selbst in den künstlerischen Abarten gewandt zu handhaben.

Die Fülle gereifter Lebensanschauungen, die in der jungen Frauenbrust ein Asyl gefunden, läßt uns eine sinnige, echte Frauennatur erkennen, die mit wohlthuender Ruhe sich in das geheimnißvolle Walten der Natur versenkt, um ihr Farben und Töne abzulauschen. Wir vermögen ihre formschönen Poesien weniger der erotischen, als der ethische und humanistischen Richtung beizuzählen. Sie fesseln und bestricken durch ihre Einfachheit, frei von Schwärmerei, nicht durch farbenreiche bilderfülle blendend, und eben deßhalb ein edles Frauenherz bekundend, das sich der höchsten Lebensaufgabe klar bewußt ist.

Aber nirgends in keiner ihrer Schöpfungen vermissen wir jenen heiligen Thautropfen der Liebe, welcher das weibliche Herz adelt, und ich begreife vollkommen die Aufwallung der Poetin, als ihr, nach dem Erscheinen des ersten Bandes, von einer oberflächlichen Kritik zugerufen wurde «die Liebe fehlt!«. Da griff sie zur Feder und schrieb in edler Erregung und Begeisterung das Gedicht »Die Liebe fehlt.«.

Von ihr erschienen außer zahlreichen kleineren Arbeiten: "Gedichte" (Wien 1867, 3. Aufl. 1882); "Neue Gedichte" (das. 1869); "Emanuel d'Astorga" (Heidelb. 1872, 2. Aufl. 1876); "Nymphidia. Nach dem Englischen des Drayton" (das. 1873); "Erlebtes und Erdachtes. Gedichte" (das. 1873); "Der Graf von Remplin" (Wien 1874); "Marina" (Heidelb. 1876), bisher ihr Hauptwerk; "Radegundis, dramatisches Gedicht" (Wien 1879); "Ein Abenteuer des Dauphin", Lustspiel (das. 1881)


Verwendete Quellen: Frauenblätter 1. Jahrgang, Nr. 23, Graz 1. Dezember 1872; Wurzbach, Biogr. Lexikon. LV. 232-236. l.; Magyar Nemzetségi Zsebkönyv I. Forangú Családok. Bpest, 1888. 18. l.; Pesti Napló 1889. 23. sz.; Meyers Konversationslexikon, 16. Band: Uralsk - Zz Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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