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Ludwig Bäumer – Dämmerung im Graben.     Zur Biographie

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916, S. 24.



Wir sind längst mehr als dreimal verleugnet. In unsern Gebärden
Fielen alle Sehnsüchte zusammen, alle die waren
In unsern Müttern und Vätern. Wir stehn vor unsern Bahren
Und fangen Tode auf, damit wir zu Ende werden.


Denn das ist unser Sinn: Wir sind Kinder einer Zucht ohne das Sträuben
Von Kindern gegen ihre Zucht. Stärkelos! Wir haben die Augen
Die im eigenen Gehirn wühlen und Schmerzen saugen.
Wir sind längst mehr als dreimal verleugnet
Und müssen mehr als einen Gott betäuben.


Uns ist keine Wiederkehr gesegnet und unserm Weinen kein Amen
Zärtlicher Munde, die einmal vor Süße brachen.
Unsere Mütter versagten,
Die uns beklagten:
Wir staunen über die, die den Weg der Mütter kamen.


Und das verläßt uns nicht. — — Vielleicht wenn wir einmal wissen,
Daß wir Kinder des Irrtums sind und darum Unverzeihliche der Zeit,
Vielleicht dann ... Was? ... Stärkelos ... Ein Land bleicht weit,
Und viele fielen, und wir sehnen uns in reine Kissen.

                              (Bereitschaft 1. Februar 1916.)




Ludwig Bäumer - Dämmerung im Graben.