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Ludwig Bäumer – Der Drillichnarr.     Zur Biographie

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916, S. 20.



Nun wandern Kirchen eher als du. Älter
Als die Brüste deiner Mutter wurden deine Beine,
Alter und ungebrauchter. Nie waren jene alleine,
Und, weißt du, vielleicht gab es Nächte, in denen sie kälter


Waren als Kühle, die du ahnst. – Leicht und schwer. –
Den Wahnsinn seiner Last, mit faltigen Lippen grinst ihn dein Bauch,
Und du wagst nicht hinzusehen, denn dann wüßtest du plötzlich den Hauch,
Den fürchterlich leichten Hauch des genährtesten Gedankens und mehr:


Sack! Und platztest grau und blutschmutzig wie das Geheul deiner Kameraden.
–: Daß du überhaupt gehst! Glaubst du, sie würden nicht lachen, wenn Steine
Weinen? Und du gehst! Gehst! Du Gehirn deiner Beine!
Du lachst? Als glaubtest du an Himmel, die sich entladen.


Spring! Sie wollen es sehen, wie du fällst und brichst. In Hunderten
Mußt du Lachen lösen. Du bist zu dick, um deinen Tod zu erleiden.
Dein Schweiß, rotes Tuch. Sie stieren auf plötzlich gefundenen Weiden.
Und wie könnten sie vergessen, daß sie sich wunderten.


Ja, wenn du deine Mutter gemordet hättest, als sie leichter
Um dich wurde, du Narr ...




Ludwig Bäumer - Der Drillichnarr.