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Ludwig Bäumer – Hinter den Toren.     Zur Biographie

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916, S. 25 f.



Vielleicht klingt es manchmal durch mich, das Unsagbare,
Das die Nacht mondzertröpfelnd auf diese Erde sickert ...
Mein Gewehr schwankt. Sterne fallen den Leuchtkugeln entgegen und in ihre Höhe zurück.
Mein Kamerad friert mehr als ich, und seine Augen sind unterlaufen.
Langsam sterbt ihr uns ab, ihr Todsucher im verpesteten Land;
Weint über uns, die uns ans Leben krampfen und bekämpfen.
Unser seliger Hohn soll wie ein funkelndes Grinsen eure Nachtanfänge verschwelgen.
Baut Zelte über euch mit euren Beterhänden, Zelte über euch,
Aber unserm, unserm Morgen werdet ihr euch nicht verbergen können.


Ihr, die ihr fallt, hinter uns, vor uns, zwischen uns,
Ihr hättet mit uns jauchzen können um jedes neue Zuende,
Hättet ihr die Flammen geschürt, die die Nabelstränge zersengte,
Die euch verbanden mit dem Unheimlichsten eurer Heimat,
Deiner Mutter, deinem Weib, deinem Kinde ... geschürt wie wir.


Keinem, am wenigstens uns selbst sind wir ein Woher. Wir.
Allen und am meisten uns selbst ein Meteorwohin.
Unsere Hände werden Hände, Füße Füße, Augen Augen,
Ahnt ihr, daß wir uns schaffen, was wir fassen, begehen, sehen?
Und das Land unserer Sehnsucht! Wer könnte es vor uns erfinden!




Ludwig Bäumer - Hinter den Toren.

Ludwig Bäumer - Hinter den Toren.