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Ludwig Bäumer – Impfen.     Zur Biographie

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916, S. 23.



Sie singen Angst, jeder. Schweigsam wären sie sich selbst verpflichtet
Schwarz giert der Platz, weiß gellen Beine, gellen,
Plötzlich will einer alle überschnellen
Taumelt und lächelt: Plötzlich ist irgend etwas vernichtet.
Du lügst, lügst! Jedem andern kriechst du ins Gesicht
Als hättest du deins, gerade deins, nicht längst verschmiert,
Das Wimmern deiner Brustwarzen, die dir ein Arzt, – Arzt?, vertiert.
Daß es dich kränkte. – Wir haben uns alle nicht.
Steh still! Stiller. Er hat nur Leichen in seiner Hand,
Der dich stach, sticht. In deinem schweißschmuzigem Hemd,
Du Blassester. Rotten an schlotternde Wände gestemmt.
Horch! Erhorchst du – dann stirbst du – dann stirbst du ein brüllendes Land.
Laß dich nicht los. Du Fall. In das andere Verstummen
Meckert das Grinsen der Beschlangten.
Wasser, graues Gesicht, in nicht mehr verlangten
Pupillen zwecklose Lichter summen.
Weiter. Sie dünsten, zitternder, schweigen.
Letzte stolpern, die Welt ist rund,
Zucken nach Zucken, Betteln um Mund.
Sonne an Sonne, Häuser wie Geigen.




Ludwig Bäumer - Impfen.