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Ludwig Bäumer – Reif.     Zur Biographie

aus: 1914 - 1918, Eine Anthologie, Verlag der Wochenschrift Die Aktion (Franz Pfemfert), Berlin-Wilmersdorf, 1916, S. 22.



Hinderst wie Tale langsam dich bergab und wirst noch langsamer
Als sie, wo sich das Müdewerden ihrer Füße hinebbt zu Betten.
Du stehst. Du beugst dich nieder. Gräbst. Das wunderliche Spiel mit den Skeletten,
Die nassen Fahnen einer Nacht und alle Fröste frieren dich noch einsamer.
Grab neben Grab. Du kannst nicht müde werden. Aus nie gewußten
Muttermunden, zahllos, ein Erbfeind denen, die sich jäh verschließen,
Quillt Leben ... Leben ... Der Reichtum deiner Tode schmilzt mit schnelleren Verließen: –
Nun bist du arm. Nun wachsen jene, die noch lauern mußten.
Sie stehn und warten. Und du betest das letzte, von dem du weißt,
Das größte Gebet an die Angst: alleiner zu werden,
Noch einen Tod zu finden, einen Mord, ein Erwürgen für sie – In ihren Gebärden
Zittert ein Wenden auf ...: Du verstummst vor dem, was du aus ihrem Rücken reißt.
Langsamer als Tale hinderst du dich bergab,
Langsamer da, wo sich das Müdewerden ihrer Füße hinebbt zu Betten.
Jene ruhen – Ruhen – Jene – Oh, wunderliches Spiel mit den Skeletten!
Den? ... –
Bellend stürzt meine Stunde in das letzte Grab.




Ludwig Bäumer - Reif.