ngiyaw-eBooks Home



Friedrich Benz – Dunkle Wege

Tragische Liebesgedichte

Friedrich Benz, Dunkle Wege, Tragische Liebesgedichte, Verlag des Litteratur-Magazins, München, 1901.

HOFFNUNG.


WIEDERSEHEN.

Wenn so der Tod über mich jetzt käme
und über mich sich neigte
und mich, den Zögernden beim Arme nähme
und sein Reich mir zeigte:


Ein dunkles fernes Land
wo ein Wunder an's andere sich reiht
wo Jeder, was er auf Erden niemals fand
endlich vor sich wogen säh'te


Und wo seinen Blicken ihm erstünde
eine seltsame Welt, dunkel, glänzend und weit
drinn' er finden würde:
nur Liebe, Liebe und Ewigkeit


Wenn so der Tod jetzt über mich käme?
– – – – – – – – – – – –




BEIM ABSCHIED.


Als wir gingen
hast Du zweimal mir die Hand gegeben
und wusstest nicht, was Du damit thatest
dass Du einem neuen Leben
nun entgegen wartest?


Noch fühl ich Deine Finger brennen
die sich mir eng um die Hand gelegt
oh, verhüte!, dass uns nicht eine stärkere wird einst trennen
nicht die Hand, mit der Du mein Herz bewegt.




DU STERN.

Aus Dir hab' ich es gelesen
was ich meinem neuen Leben sagen will
Du, bist der Himmel mir gewesen
von dem ein Licht in meine Seele fiel


Dein Auge hing an ferner Wolken Rand
lange, .. bis es mich gesehen
da brach ich Dich, brach Dich meine Hand
nun sollst Du an meinem Himmel stehen


Drinnen sollst Du alles vergolden
sollst unter tausend Sternen der schönste sein
und Frühling sollst Du aus Dir strömen, holden
und Glanz und Licht und Schein.




AUF DEM LEBENSHERD.


Was soll ich Dich lange bitten
wenn wir zwei das gleiche thun
wenn Zwei das gleiche Leben litten
sollen sie auch zusammen ruhn


Ich kann Dir nicht lange Worte sagen
was an Dich kam, Du gingst es auszuleiden
das alte hast Du ausgetragen
nun beginne: ein neues zu erstreiten.


Von einst noch bist Du müde, herzgebrochen
das muss nun anders werden
ein neues Leben hat ein neues Wort gesprochen
und neu glimmen die Feuer auf goldenen Herden.




UNMÖGLICH

Nichts möchte ich besitzen
nichts als nur Dich;
in mein Herz grub ich ewig ein Dein Zeichen:
einen Stern, umspielt von Sonnenschein.


Und wenn der Stern zu seiner Sonne sich
dann neigen wollte
stiesse er auf Schatten
die so dunkel sind, dass er sie würde nie erreichen
er fiele in tiefe Lebenschatten
die den Menschen schon lange die Träume verdunkelt hatten.




DEIN MORGEN.

Was heute noch Dein Herz bewegte
ist's, das morgen es in Trümmer legte
was heute noch Leben, Streben war
ist morgen jeder Kräfte baar


Was heute noch ein Glück gewesen
ist morgen geborsten und vergessen
was heute noch ein »Du«, ein »Wir«
als ein »Unzertrennliches« Dir


gegolten haben mag
ist morgen ein Stein der Dir
schon lange zwischen den Füssen lag.




HERZENSFRÜHLING.

Oh, heute bin ich so froh,
so froh, dass ich Dir mit dem Finger droh
dass Du Dich mit mir freuen sollst
und mit mir die Welt jubelnd durchrollst


Mir ist's, als schwöllen die Freuden aus allen Poren
und schrie das Glück es in tausend Ohren
und lachte und tanzte in blüthenweissen Bäumen
unsre Zukunft in hellen Träumen


Da schimmerts und funkelts drinnen
und scheint, wie die Sonne aus tausend Regenrinnen
die sich in tausend Wolken wiederspiegeln
und die Erde durchleuchteten mit schimmernden Flügeln.




ABGLANZ.

Wenn Du nicht bleiben magst
so nimm mein Herz mit Dir
es kommt die Zeit, in der Du mir
ein dankendes Wort dafür sagst


Bett' es Dir in die weisse Kammer der Erinnerung
und höre seine grosse Sehnsucht atmen
die bis zur Stunde der Erlösung
in dunkelnder Dämmerung
muss Deiner warten


Dann kommt Dir still mein Herz entgegen
und alle, alle Seligkeit
beuge Dein Haupt, empfange seinen Segen
den Glanz einer versunkenen Märchenzeit.




ZU IHR.

Dein ganzes Leben
dein Bisjetzt, hab' ich Dir verziehen
und vertraue dem Versprechen
das Du mir gegeben
alles, was nicht Ich heisst zu fliehen.
verhüte, es zu brechen.


Höre wohl,
ich vertraue Dir
und ich spreche kein Wort damit
hohl
und abgeschmackt;
Mein ganzes Leben,
das ich bis heute litt
einen jeden Schmerz, der von meinem Sein
ein Stück sich abgehackt,
einen tiefen Herzenssegen
leg ich nun in Dich hinein.

          Finster starrt er sie an

Und ihr kriechts in klebrigen Schneckenzügen
kalt und seelengram
bis zum verlassensten Herz hinan.
Und sie möchte ihm's entgegenschreien:

Von den grossen Lebenslügen

          aber sie schweigt
          sie will seinen Schmerz nicht entweihen.




ZWEIFEL.


IN DEN DEMANT.

Komm Kind, ich weih Dich in meine Geheimnisse
in dieser Nacht noch ein
Und als flammendes Erkennungszeichen
werd ich Dir einen Demanten reichen
in den schreib ich »Dein« hinein.


Und, mein Kind,
wenn ich Dir in dieser Nacht noch alles anvertraut
Alles das, was mir schon jahrelang jede Ruhe raubt
dann schreib neben meinen Namen
auch den Deinen.


Sieh, mein Kind,
wenn Du dann alles weisst
alles das, was mir
noch mein Herz zerreisst
dann erst wirst Du mich erkennen
und wirst in mir das Wunder sehen
und Du wirst den Demant nehmen
und in ihm ein Wörtchen flammend sehen stehen:

          Ein kleines, aber Herzen schlägt man tod damit
          Hol den Demant
          in den ich ein Wort gebrannt:
                    »Dein«.




NACH DER NACHT.

Ein Morgen brennt durch unser Zimmer
und wie aus dem Demanten
steigt und fällt das Sonngeflimmer.
– Die Nacht, in der unsere Herzen
zu einem zusammenbrannten
ist vorbei.


Ich kann dieses Wort nicht hören
es klingt, als wollte der Mensch sich um sein eigenes Ich bethören
es schaudert mich. –


Deine Liebe,
macht mich von der Erde frei
aber dieses Wort, wenn Du sagst,
wenn Du sagst: »vorbei«
wirfst Du um meine Seele
Ketten aus Blei.


Mein Mann,
was aus Deinem Herzen
sich heute Nacht gequält


ein jedes Deiner Worte habe ich gezählt
und wohl gewogen
und dabei gefunden
dass Dich Dein eignes Herz belogen.


Uns hat das Leben schwer gestraft
Dich hat es zerrissen
Du hast Dich schwer beklagt
und Dein Blick mich staunend und zitternd angefragt.


Da bin ich auf Dein Lebenswrack gestiegen
eine neue Flagge aufzuhissen
jetzt darfst Du ruhig im Hafen
der Erlösung liegen.


Mir hat,
was Du mir anvertraut
nicht Die Liebe weggeraubt
das erst hat sie mir gegeben
und täglich
dass sie immer schwerer wird
will ich sie wägen,


Nun hol' den Demant her
und schaue, was ich hineingeschrieben
ein ewiges: uns zu lieben
kein fremdes
ein mächtiges Ganzes
kein halbes, Getrenntes.


Sieh, was drinn funkelnd
neben Deinem »Dein« jetzt brennt
ein leuchtendes »Mein«
das uns im Tode nicht trennt
und uns zu einem Schatten eint
das wie die Sonne in einen Abgrund
hell und scharf schon scheint
neben Deinem zagenden »Dein«
mein ewiges
Mein.




STÜRME.

Umbrausen Dich auch Wind und Stürme
sei's zufrieden
Nachgelegtem Sturme bescheint Sonne wieder Dach und Türme
und Dein Herz wird eine Friedensstadt
in der noch keinen sein Glück verlassen hat
denn alle,
alle Stürme legen sich hienieden.


Drum, rüttelt, – und pocht der Sturm
an dein Innres an
und schüttelt
er Dich, bis Dein Herz nimmer kann
dann möcht's Dir wohl manchmal brechen
aber sieh, aussen beginnt schon der Tag zu lächeln
und du wirst wieder zufrieden
denn alle,
alle Stürme legen sich hienieden.




ZU IHR.

So schwer ist das Leben auf mich gefallen
dass ich aus jedem deiner Tröstungsworte
höre hallen
den Schrei des Gehen's, den Abschied.


Heute sprichst du lieb und gut ...
aber mir fehlt zu allem nur der Glauben
heute, meinst Du, wär' es Lieb
und morgen ist es: Misstrauen
morgen quält es Dich.


Ich höre heute schon
einen weltverfluchten Ton
aus einer erschreckenden Melodie
dieses höhnende, zuckende Nie
das uns aus Himmeln
in die Hölle wirft
und uns dort verdirbt.


Heute schreibst du mit deiner Liebe noch
heute blüht aus meinem
unseligen Leben
ein neuer Strauch um den deinen
und ich werde alle
von Hitze beschwülte Nächte
durch wachen
und Du wirst darüber nur lachen.


Und mit dem wird nicht aus, nicht gar
das dauert noch manches Jahr
und noch mancher Herbst
wird seine Blätter sich
vom Rücken schütteln
Und das, was Dich dann freut
wird mir das Leben verbittern
und wird mich quälen
und meiner Qual
wirst Du die Minuten zählen.


Drum lösche die Flammenschrift
und gib mir den Stein zurück.


Heute trifft
uns noch nicht so schwer
was morgen unser Schrecken war
heute glänzt des Schicksals Nierenblick
uns noch nicht zu
heute schreit mein Herz noch nicht: Du
gib mir den Demant zurück.


Und wenn aus dem Stein
mein Herz dir entgegenscheint
schaue nicht in seine Tiefen ein
drinnen ringt ein Leben
und ein Mensch, der sich nichts mehr geben
kann und nichts mehr kennt
Einer, der Dir entgegen weint.




BESINNEN.

Fest hältst Du den Stein
und Deine Hand lässt ihn nicht
und Dein Versprechen und Dein Mein
glänzt auf Deinem Angesicht


Aussen rauscht der Wind um die Dächerfahnen
und wir sagen kein Wort
und fühlen nur wie ein trübes Ahnen
sich langsam in die Seele bohrt.




HOFFNUNG.

Du Armer, du Geschlagener
Du aus vielen Höhen
Viel gefallener
Du findest in Dir
soviel Elend und Armut.


Und doch bist Du reich
Oh viel reicher als ich
Nach aussen scheint Dein Elend bleich
und Du selbst abgezehrt
Und in Dir bist Du königlich reich
und mir
hast Du das Leben
mit Deiner Liebe vermehrt.


Du königlicher, Einziger
was und wer
wärest Du, wenn nicht
der Schmerz Dich tief und schwer gemacht?



Oh darüber, da besorg Dich nicht
hab' ich noch nie gelacht.
Ich, über Dich lachen?
Da verlachte ich ja selber mich
über Dein Leben, Deine schwere Sachen?
da weinte lieber ich.



Jede meiner Thränen
soll Dir eine Perle sein
zu einer prächtigen Schnur
sollst Du sie dehnen
und die Perlenschnur
soll mein Herzensschwur
ein ungeheurer
fürchterlicher Eid auf immer sein.
Mir thut Dein Leben
nicht ein bischen leid
oh hätte ichs gelebt
so wie Du
jeder Schmerz hätte mich belebt
und jedes Leid
wäre mir ein Purpurkleid
geworden,
wie es nur Fürsten schmückt.


Was Dich heute schier zerdrückt
mich hätte es beglückt.


Komm und hoffe wieder
und wenn Du dem Leben nichts mehr glaubst
und Dich immer trüber
mit Abscheu bestaubst,
dann glaube noch mir.


Du selbst hast Dich ein Wunder genannt
und in den Demant
in sein Lichtergold hinein
habe ich ein ewiges Dein
gebrannt
und es tief in den Stein
geschmiedet
und meine Liebe schützt
das Wort und Dich
und umfriedet
unsere Herzen
weil meines sich auf Deines stützt
und was Du alles leiden magst
Deine Schmerzen
sind auch die meinen
mit denen Du mich nicht schlagst.


– die haben mich reich gemacht.
Und wenn Du im Seelenkummer
nachts nicht findest Ruh und Schlummer
steht Eine da,
die für dich wacht ..




AHNUNGEN.

Zerborsten glast sein Blick
in den ihren
und Glocken rasen in dumpfen Schwüren ....


Er sieht in ihr Herz zurück
wo ihre Worte erlösende Bahn sich brachen
und was sie schwor
möchte ihn fast glücklich machen
aber für das Glück
hat er kein Ohr.


Und er nimmt ihre Hand
und sucht ihren Blick
und sein Blick wühlt
tief in ihre Seele sich zurück
denn er möchte das Wahre erfahren.
Und ihr Auge zittert
als sie in seines sieht
und sie spürt
wie sich ein Glück zersplittert
ein Schauder kriecht
ihr in die Seele
und sie sieht in dieses Mannes
Herzens Dunkel
und in die heisse Helle
eines Bannes
der ihr entgegen funkelt


In diesen Abgründen
hat ihr Herz das seine beleuchtet.
Da feuchtet
es ihm das Auge
und seine Thränen stürzen
Ein Tropfen nach dem andern
fällt
und um mit der Hand sein Weh zu schürzen
hält,
sie sie ihm unter die Wangen
und stumm sieht sie
die Thränen eines Lebensbangen.





Beide stehen schwer bedrückt
und beide leiden
nimmt sie seine Hand und schreit:
hat dich, Du Zweifler, mein Wort nicht tief beglückt
darf denn Dich mein reiches Glück nicht kleiden?
Du König mein
hab ich denn nicht in den Demant ein
ein Wort geschlagen
neben Dich,
mein Dein?
Und hoch will neben seiner
sich
ihre Seele ragen.




SEIN WEG.

Dunkel sind meine Strassen
die ich wandle
die ich gehen muss
Dein Gesicht geht voran.
Nun gut! Du willst mich nicht lassen
Du spannst Deinem Herzen meines an
und Dein Fuss
wandelt meinem nach
und Deinem Antlitz
leuchtet ein Schimmerschein voran
der bald zuckt:
wie ein Höllenblitz
bald mild und sanft und rein
wie der Schein
den meine Liebe in den Demantstein gethan.


Was das Leben nun
zu unsrer Liebe sagt
zu spät wird alles Lassen, alles Thun
wenn es uns erst mit seiner Bitterkeit schlagt.


O die Welt ist nur Vergänglichkeit
und Leid und Schmerz
und grausige Ewigkeit
in der zuckend stirbt mein Herz.


Vielleicht stirbt dann auch das Deine
mit
ich weinte um das Deine
um das Meine nicht.
Allem voran, geht jetzt Dein Gesicht
Nur mir voran?


Flammend leuchtet deine Liebe
durch die Lebensnacht
wie ein brennender Kieferspan
und Dein Gesicht
ist Sonnenpracht.


Wenn unsre Herzen sterben
wein ich um das Deine
um das meine nicht
denn ich liebe das Verderben.


Bald hat uns das Schicksal
bald vielleicht schon viel gethan
Doch Du hast gewählt
und auf mich fiel die Wahl
Weib, allem geht jetzt Dein Gesicht voran.




BEIDE.


Und sie gehen
Hand in Hand
und ihre Seelen flehen,
still, um Bestand.


Sie kennt vom Leben nichts
er zuviel
ihn stichts
bei jedem Schritt
den er macht
und wirft ihn wieder zurück
in sein dunkles Sein.


Da fällt ihr Blick
auf ihn
und er denkt an den Demantstein
und das Flammenzeichen,
jetzt hilft kein Stehenbleiben
jetzt gilt es zu erreichen
die Seelen zu spornen
zum Leben anzutreiben.


Wieder läuft ihr Auge über seine Hand
und wo vorher noch
Schrecken und Vergangnes stand
thut sich seinem Blicke auf
eine breite Wand
und Beide springen
darüber und hinauf
vor ihren Seelen stehet
mächtig auf
ein wunderbares Land:


Fürst, drinn sollst Du mein Gebieter sein
und ich Deine Sclavin
und jeder Gedanke
in meinem Sinn
ein Herzensschein
der Dich an meine Brüste zieht
der Dich blendet
dem ein Jeder unterliegt
den meine Liebe Dir gesendet
mein Fürst:
mein König:
sieh: Dein Reich.


Geblendet steht er
über sein Gesicht huscht bleich
der Schein, der Glanz, der von ihr geht
und schwer
verschreckt und zitternd steht
er in seinem Königreich.


Weib, flüstert sein Inneres
Du bist reich
unter Deiner Liebe Hut
erkenn ich erst
meine tiefe Armut.




VERLOREN.

Und sie jauchzt ihm zu
und sieht vor Helle und Lichterscheinen
nicht den
der ihr früher sein: Du
zugeschrieen,
weinen.


Ihr steigen im Herzen
im sonnenangebrannten
quellend wie in einer Rapsodie
die jubelnden Terzen
aus einer süssen Harmonie
wo den Missklang verbannten
alle Seelentöne
einer Geistesfreiheit
ungebändigte Söhne.
Und mehr sieht sie nicht.


Und um ihn
wirft sie die Arme
den Kopf, den ihre Haare, die tiefschwarzen um wellen
ihn und alle andern preisend hin
träfe ihr Blick einen Tannenwald
er würde die grössten Fichten fällen
aber sein Gesicht
das schrecklich kalt
ein gefahltes Innerlicht
aus sich strömt
sieht sie nicht
Und er glaubt,
er wäre gehöhnt.


Und ihn reut
grässlich, was sein Herz einstens ihr zugerufen
Was sie einst unsäglich gefreut
scharrt in ihm
wie von zehn Pferden die Hufen
die letzte Schichte mit.
Und er will nicht vor
ihn reisst's zurück
alles, was er bis heute verlor
war nichts
heute verschwor
sich sein letztes bischen Glück.




MONOLOG

Gott gelobt, dass ich den Tag
der aussen weisset
nicht sehe
nicht begreife
was er verheisset.


Du, ja Du, hast Dich zu ihm bekannt
und zu seiner Helle.
Mich hat sie – – verdammt
Mir spie
er sein letztes, grösstes Leid
meinen letzten Seelenstreit
in's Angesicht.


Geh voran, geh Du voran
Dir hab' ich alles geglaubt
wie der Motte ein Licht
hast Du mir von den Flügeln
den letzten Glanz gestaubt.


Ein Vogel, ohne Schwingen
ein Licht, das ausgebrannt
um das zögernd die Schatten hingen
ein Wagen, ohne Ross bespannt
ein Nichts, und nichts
und immer nie und nicht
und das alles
weil ich Dir, Dir vertraut
und Deinem himmlischen Gesicht.


Seele, oh, meine Seele gib Ruh
verschweige den letzten Laut
verschweige dein letztes Du.




† †

Jetzt geh ich mir selbst voran
was früher Dein Gesicht gethan,
war ein irres Spiel
das Du lang getrieben.


Bis vom Himmel fiel
der letzte der Sterne
zerbrochen bleibt er liegen.


Jetzt wollen meine Thränen mich verlassen
jetzt löscht sich in der Ferne
aus, das Angedenken
um Dein Nichts
in das will ich senken
den Fluch um Dich
und Dein Andenken.




IHRE REUE.

Ihr Blick möchte sich aus der Pupille renken
in ihrem Kopfe rast eine dunkle Flut
die Tiefen bewühlender Gedanken
und immer wieder löscht eine Herzensglut
die Vernunft ihr aus
und sie findet in ihrem Schwanken
nicht den Weg aus sich hinaus.
Ihr Blick senkt sich vor dem seinen.


Da rasen in ihr die Sinne auf
und sie schreit an ihm hinauf:


Was hab ich Dir versprochen
weil ich leben, glänzen will?
Hab ich Dir den Frieden umgebrochen?


Aber vor seinem
unsäglich traurigen Blicke wird sie still.


Und wie ein singendes Gebet
rieselts ihr schaurig durch den Leib
und über den Rücken,
faltend hebt sie die Hände und fleht:


Sollst mich nicht zu Boden drücken
Du, mit Deinen Augen
und mit Deiner Seele weiss
die weisser und hoheitsvoller,
als die Natur ihre Tauben
schmückt,
mich hast Du einstens tief beglückt.


Dein Schmerz, der in Dich sich hackte
war nicht der rechte Glanz
dessen Schauer mich packte.
Was Dir die Welt vergällt
war mir:
was durch sie mein Herz erhellt
Dafür dank ich Dir.
Sollen sich unsre Wege trennen
soll ich Dich lassen?


König, ich weiss ja nicht
was dieses Leben, das aussen streitet
ist,
Immer nur seh ich Dein verzehrtes Gesicht
und sein Schatten verbreitet
den Tod
und erwürgt das Licht.
Dich kann ich verehren
und zu Dir beten wie zu einem Gott
aber Dich begehren,
kann ich nicht
Dich ewig begleiten
Dir ein ewiges Mich bereiten
wäre mein leiblicher Tod.


Was ich Dir zugeschworen
die Lüfte haben den Ton verloren.




ER.

Lang ich in mein Herz hinein
lang ich in einen kühlen
sonnenleeren Schrein
in dem nur von einstens noch die Wände funkeln


Find ich dort, mit Zügen mild
gemeisselt in einen Demantstein
ein Bild,
mir entgegendunkeln
aus der Lebensnacht
in der ein Weib einem Manne alles Glück gebar
und heute? –
sind Beide ihrer höchsten Wünsche baar
Hörst Du zerrissener Glocken Geläute?




REFLEXION.

Wenn ich Deine Briefe seh
wird's mir um's Herz so weh
und in dem kleinen roten Raum
der dich sein Alles nennt
steigt zu einem übergrossen Baum
meine Sehnsucht hoch empor
die Sehnsucht, die mir noch die Seele sprengt.


Oh wäre meine Liebe zu Dir doch kleiner
und die Hand, die diese Briefe schrieb,
seelenverklärter, reiner,
wären auch meine Tage nicht so trüb.




LEBENSRACHE.

Am Trennungswege bleibst Du stehen
und ich sehe Deine Augen flehen
und Deine Finger sich bang umklammern
und spür Dein ganzes Ich sich bejammern.


Hilflos bleibst Du stehen
hilflos wirst Du jetzt weitergehen
kein gutes Wort will Dich begleiten
keine Hand mehr will für Dich sich streiten.


In ein wüstes Leben wird's Dich ziehen
kein Herz mehr wird neben dem Deinen erblühen
Deine Wunden werden aufgerissen bleiben
Von einer Stätte wird's Dich zur andern treiben.


Keiner wird Dich mehr grüssen
Jeder wird vor Dir sein Herz verschliessen
Und die Thüren in die Angeln werfen
Und kein Trost mehr kann Dir helfen.




VERKLÄRUNG.


ERINNERUNG.


Nun hat sich Dein Herz ausgeleert
und der letzte Lebensschrei
ward Dein grösster Trost
nun hat er Dich verklärt,
und dieses Wort, dieses grenzenlose:
»Vorbei«
dieser Fluch des Lebens aus dem Schicksalsschosse
macht das Vergangne nicht mehr neu.


Aussen zuckt ein Sonnenlicht
es zuckt und schwirrt
das bischen Glanz zerstiebt
und nur ein Rest von verschlagenen Scheinen irrt
planlos hin und her


Ganz so, meine Fürstin
ist es Dir gegangen.
Aus Deiner Seele schillerten
die Köpfe giftiger Schlangen
und an ihren bunten Feuerfarben
Freute sich mein verlassener Sinn
und eben weil er sich freute
streute
er giftigen wuchernden Samen
in sich
und als letztes Amen
sang ein Grabgeläute
das letzte »um Dich«.


Und das alles kam aus Dir
und zu meiner Seele Unglückszier
steh ich vor einem Totenacker
vor meinem eigenen Grab
und Du singst den Funebre mir.
Was ich alles suchte,
– und ich habe viel gewollt
fand ich nicht.
Da kamst zum Schlüsse Du
und ich fluchte
mir, und das Leben fluchte meiner Ruh.


Oh ich weiss es noch, wie dein Gesicht
wie dem Schiffer das feste Land
tröstend mir erschien
und wie ein brennendes grosses Licht
an meiner Küste stand
und zu Deiner Seele hin
die meine sich neigte:
eine lebensscheue Hand
eine von langen Fahrten wund gebleichte.


Fürstin, dass ich sie genommen
ward mir doch ein Glück
nur ist das Glück nicht über mich
nur über Dich
gekommen. – – – –




† † †

Ein dunkler Rauch
quillt aus einem Schornstein,
wie ein Wolkenhauch
wie ein grosser Friede
den der Duft des Weiherauch
umgiebt
war Deine kurze Liebe
die nun doch gebrochen
ungeliebt
alle Thüren und Thore offen
Hess, und alles verjagte
alles Leben, Lieben, alles Hoffen ..
nun kommt wohl niemand mehr
anzupochen.


Mit der Liebe floh der quälende Dunst
und umsunst
harrt jedes Herz seiner Sehnsucht
Die hat sich selbst verflucht.
Und doch fühl ich mich Dir so nah
wie dem Sterbenden eines Gottes ira
aus der Totenkammerluft
in der sein Blick wie in einem weiten
Nebelmeer hilflos schwimmt
entgegenposaunt,
und der Tod schon das Leben auf die letzte Note stimmt.


Das Glück, das aus Dir in mich geströmt
es staunt und staunt
mich an
mit halb geschlossenem Auge
raunt
es mir zu,
dass Du
die tausend Gran
mit der Du meine Liebe gewogen
nicht geaichet hast
und Dein Herz nur gespasst.
Und doch bin ich Dir nicht bös.


Du hast meinem Glanz nicht den Deinen
entgegengebracht
drum zerbrach das Leben den meinen
drum bliebst Du scheu und verzagt.


Meine Liebe hat sich selbst zertreten
und weil Du gingst
konntest Du sie nicht retten.




GEDANKE.

Von vieler Meilen Weite getragen
flog von ihr zu ihm ein Herz
fing an zu trauern, an zu klagen
weinte und lachte zornig im Scherz.


Auf einem Stuhle liess es sich nieder
und lag zuckend da
ihm flog in bunten Bildern sein Leben vorüber
und verklärt fühlte sein Herz
diesem verwundeten sich nah.


Da fingen beide Herzen zu weinen an
und die Thränen quollen
schwer von Seelengram
Du, schrie ein's das Andre an
weinst Du jetzt um mich?


Ein König, eine Fürstin
weinten um sich.



OH SCHMERZ!


Das Licht in Deinem Auge seh' ich nimmer
es hat ausgeglommen
mein Herze schlugest Du in Trümmer
Du hast Dich Dir und mir genommen
und ich steh' gebrochen und arm allein
umsonst schreit mein Herz
nach Dir, nach Deinem Dein
oh Schmerz!


All mein Glück ist mit Dir gegangen
ich weiss nicht wohin
nur Elend wird um mich noch werben
wird mit. grausigen Fingern nach mir langen
und ich möchte lieber sterben
als so ohne Dich verderben
stirbt wohl mit Dir mein Herz
oh Schmerz!


Grauenhaftes Wort, wenn ich mich Deiner
erinnern will,
doch für Dich alles Seligsein
ein himmlisches Gefühl
wenn Du Dich meines
und Deines Kind erinnern darfst.
Ach, aber ich bin ja ganz allein
und Du starbst
für mich und für Dich mein Herz
oh Schmerz!




EIN ROMAN.

Schimmerndes Abendrot
Eine Lebensnot
viel Dunkelheit
viel zu viel Geschrei
brechen, gebrochen, vorbei
und dann schwarze Ewigkeit.

ngiyaw-eBooks Home