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Carola Bruch-Sinn – Herbst.     Zur Biographie

aus: Pessimisten-Gesangbuch, Herausgegeben von Otto Kemmer, J. C. C. Bruns' Verlag, Minden, 1884, S. 22 f.



Im Walde drinnen das Laub erglüht,
Im Herbstwind siehst du röthlich schwanken;
Manch Sommerfaden leise zieht
Sich um die welken Blätter müd'
Und wilden Wein's purpurne Ranken.


Wie spielt der gold'nen Lichter Heer
Auf dunkelrother Blätter Grunde –
Mich dünkt's von rothem Blut ein Meer,
Geflossen aus verborg'ner Wunde.


Ach, Grabesblumen sind es, roth,
Des Sommers Hügel still zu kränzen,
Des Herbstes erstes Machtgebot,
Der bald die Blätter welk und todt
Hinwirbeln läßt in Sturmestänzen.


Die letzten sinken schon herab
Von Baum und Strauch und von den Hecken,
Der Winter naht – mit ihm das Grab –
Ein Leichentuch wird alle decken.




Carola Bruch-Sinn - Herbst.

Carola Bruch-Sinn - Herbst.