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Carola Bruch-Sinn

Biographie

aus: Neuzeit, Blätter für weibliche Bildung in Schule und Haus, Zur Förderung der Frauenbestrebungen und Vertretung der Fraueninteressen (vormals Lehrerinnen-Wart), Biographien der österreichischen Dichterinnen und Schriftstellerinnen, Herausgegeben von Marianne Nigg und Dr. F. M. Wendt, Nr. 9, Kornenburg am 10. September 1893.

Karoline, Bruch-Sinn geb. zu Olmütz am 13. Januar 1853 als die Tochter eines k. k. Genie-Officiers, verließ sehr bald ihre Heimat. Die Jahre der Kindheit und ersten Jugend vergangen in Wanderzügen durch alle Kronländer. Zuerst kam sie nach Ungarn, dann nach einem bei Prag gelegenen böhmischen Städtchen, wo sie Privatunterricht genoss, später aber in ausgedehnter Weise auf autodidaktischem Wege reiches Wissen sammelte. Schon früh studierte sie eifrig die Werke unserer deutschen Classiker und wurde dann zu eigener poetischer Thätigkeit gedrängt. Nachdem sie mit ihren Eltern zuerst nach Linz und dann nach Komorn gewandert war, wo sie öffentlich ihre eigenen Gedichte unter großem Beifall des Poblicums vortrug, vermählte sie sich mit dem k. k. Genie-Major Brach, und nahm ihren festen Wohnsitz zuerst in Graz, wo sie zunächst für die beiden hervorragenden publicistischen Organe »Grazer Tagespost« und Rosegger's »Heimgarten« arbeitete. Die »Tagespost«, von dem jetzt in München lebenden Ästhetiker Dr. A. V. Swoboda geleitet, wandte damals dem Schöngeistigen mehr Aufmerksamkeit zu, und K. Bruch-Sinn veröffentlichte literarischkritische Feuilletons und culturhistorische Skizzen, auch ethnographische Bilder aus den verschiedenen »Wanderheimaten«, wo ihr Fuß länger oder kürzer gerastet. Da der edle steirische Poet Rosegger reges Interesse an ihrem Talente bekundete, fand sie auch Gelegenheit, für den von dem genannten Schriftsteller so trefflich geleiteten »Heimgarten« Plaudereien und Gcsellschaftstypen zu liefern. Eine geradezu rührende Theilnahme für das sich schön entwickelnde Talent der jungen Schriftstellerin zeigte der große Dichter, Denker und Mensch Hammerling. Bruch-Sinn besitzt zahlreiche Briefe des Dichters, die von dem schönen Geistesverhältnis, in dem er zu ihr stand, höchst wertvolles Zeugnis ablegen. Wir hoffen, dass die Schriftstellerin in ihren Memoiren, die sie einmal zu veröffentlichen gedenkt, hierüber manches Interessante zu berichten haben wird. Auch der Geistesverkehr mit den übrigen steirischen Poeten (G. v. Leitner, Friedr. Marx etc.) und manchen gelehrten Männern (in erster Linie K. F. Peters) blieb nicht ohne fördernde Wirkung auf die strebsame Schriftstellerin.

Die erste größere novellistische Arbeit (»Der Todesengel«) veröffentlichte Bruch-Sinn im Jahre 1881 im »Berliner Fremdenblatt«. Von jetzt an begann für sie ein Leben angestrengter und mannigfaltiger literarischer Thätigkeit. Ihre Feuilletons, Novellen, Gedichte und kritischen Essays erschienen in den geachtetsten Zeitschriften des In- und Auslandes, namentlich in Wiener, Berliner und Leipziger Blättern. Nach mehrjähriger angestrengter journalistischer Thätigkeit konnte sie auf hervorragende literarische Erfolge hinweisen. Freilich blieben auch Anfeindungen und unangenehme Erfahrungen nicht aus. Hauptsächlich zog man gegen ihre scharfen und ätzenden Kritiken zu Felde, womit sie gewisse Literatur Strömungen erbarmungslos geißelte und namentlich die beliebte grob-materialistische und dabei hyperpersönliche Darstellungsweise einiger moderner Schriftstellerinnen spöttisch und sarkastisch beleuchtete.

Im Jahre 1882 schlag Karoline Bruch-Sinn ihr stilles Heim in Währing bei Wien auf, wo sie zurückgezogen nur ihrem geistigen Schaffen lebt. Hier entstanden die Cyklen ethnographischer Skizzen und Bilder, die in einfacher, aber wirksamer realistischer Darstellung das Volksleben Untersteiermarks, Ungarns und Dalmatiens überaus trefflich schildern. Sie erschienen sämmtlich in Wiener Blättern (»Deutsche Wochenschrift«, »An der schönen blauen Donau«, »Heimat«). Daneben producierte die unermüdliche Schriftstellerin zahllose Gedichte, pädagogische Fachartikel, ästhetische Essays und Kritiken für die »Wiener Mode«, »Neue illustrierte Zeitung«, die »Fliegenden Blätter«, die »Deutsche Post«, für das »Magazin für die Literatur des In- und Auslandes«, endlich für Berliner, Leipziger, Weimarer, Züricher und Wiener Hausfrauen-Zeitungen, sowie für zahllose Provinzblätter und Sammelwerke. »Die Waffen nieder«, redigiert von Frau v. Suttner u. v. a. Ferner: »Wiener Tagblatt«, »Deutsche Zeitung«, »Wiener Literatur-Zeitung« (ständig). »Deutsches Dichterbuch aus Mähren« (Brünn bei Rohrer 1893), und »Herzensstimmen« (Lindner, Ratibor 1886) weiters: »Großstädtische Charakterbilder«, »Wien und die Wiener« (Berlin 1893 bei Rentzel) u. v a. Mehrere Jahre wirkte sie als ständige Mitarbeiterin der »Constitutioncllen Vorstadt-Zeitung«, für weiche sie sensationelle Erzählungen und Bilder aus dem Volksleben lieferte. Im »Extrablatt« erschienen ihre vielgelesenen »Bilder aus dem Wiener Leben« mit streng localer Färbung.

Zwei Jahre lang redigierte Bruch-Sinn das »Hausbuch für deutsche Dichtung«" (Redactionsstelle für Österreich), für das sie hervorragende österr. Dichter als Mitarbeiter gewann, ohne dass sie jedoch eine erhöhte Theilnahme des österreichischen Publicums diesem schönen Unternehmen hätte sichern können.

Im Jahre 1889 übernahm sie die Mitredaction des »Deutschen Bannerträgers« (Beilage des »Jungen Kikeriki«). Sie gründete daselbst den von der Damenwelt sehr freundlich aufgenommenen »Damensalon« und betheiligt sich auch an der Mitarbeit durch Veröffentlichung von Humoresken aus dem Wiener Volksleben, die, ähnlich den Schöpfungen Eduard Pötzl's, eine getreue Schilderung der typischen Eigenart des Wiener Volkslebens bieten. Daneben arbeitet sie für die verschiedensten in- und ausländischen Blätter und erfreut sich an einer regen Correspondenz mit geistig hervorragenden Freunden und Collegen aus allen Theilen Deutschlands und Österreichs.

Für ihre engere Heimat, Mähren, zeigte Karoline Bruch-Sinn stets die wärmste Sympathie. Auch schrieb sie verschiedene Aufsätze und Gedichte für mährische Journale (»Mähr.-schles. Correspondent«, »Brünner Zeitung«, Penn's »Dichterstimmen aus Österr.-Ungarn«, »Neue Zeit«, »Znaimer Wochenblatt«, »Moravia«, »Satura«). Und noch viele andere Zeitschriften zählten die geschätzte Schriftstellerin gleichfalls zu ihrer Mitarbeiterin.


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