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Eddy Beuth – Wie ich Dich träumte.     Zur Biographie

Aus: Liebeslieder moderner Frauen, Eine Sammlung von Paul Grabein, Hermann Costenoble Verlag, Berlin, 1902, S. 25 ff.



Wie ich Dich träumte.

Gedicht in Prosa.

Mir träumte, Du warst ein machtvoller König und säßest auf einem goldenen Throne.
Du hattest die Augen, die Dir auch im Leben eigen sind, hellstrahlend wie die Sommersonne und unergründlich tief wie das ewige Meer.
Und Du schautest weit in die Lande mit Deinen tiefen, unergründlichen Augen, und das Volk beugte sich vor Dir.
Evoë! – – –
Du aber sahest über sie hinweg und lächeltest ihrer Unterwürfigkeit.
Deine Blicke suchten mich.
Ich stand im weißen Gewand und wartete Deiner, mit wehendem Haar, in welchem der Sommerwind spielte.
Und ich harrte Deiner, nicht demutsvoll und zitternd, sondern in stolzer, sündiger Liebe.
Mit ausgebreiteten Armen erwartete ich mein Schicksal.
Du wolltest mit meiner Jugend spielen und ich schenkte Dir meine Jugend in stolzem Triumph.
Evoë!
Du nahtest, mein stolzer Sieger, und ich schloß die Augen bei Deinen flammenden Küssen.
Du fragtest nicht, ob ich Dich liebe, du nahmst mich hin als erbeutetes Gut – und ich lächelte.
Unser Brautbett war mit glühenden Rosen bedeckt, rot und golden schimmerten sie durch das mondverklärte Dunkel und dufteten uns entgegen.
Eine süße, heimliche Musik trug von fernher seltsame, traurige Melodieen zu uns herüber, wir fühlten die Töne, als wären's Ausklänge unsrer Seelen.
Und die sterbenden Rosen dufteten schwer, und die süße Melodie berauschte, da sank ich vor Dir in den Staub, und mit erhobenem Haupte sah ich Dir tief in die strahlenden, unergründlichen Augen.
Du aber trugst mich auf das Rosenlager, und die duftenden Blüten umschlossen unsre selige Jugend wie ein stilles Grab. – –
Du schlangest meine dunklen Haare um Deinen Herrschernacken, als wolltest Du mich an Dich ketten für alle Ewigkeit. Und Deine Küsse brannten wie die sengende Sommersonne und thaten mir weh, mein König.
Ich aber lächelte, doch Du sahest es nicht in unserm Rosensarg.
Da hörten wir durch die liebliche Melodie hindurch einen müden Ton, wie fernes Glockenläuten.
Ich fühlte es, sie riefen Dich in Dein Reich zurück, sie forderten ihren jungen König.
Du schütteltest die locken und gingst, ohne Gruß, ohne Wort, Du mein stolzer, junger König.
Ich horchte auf Deinen enteilenden Schritt, das junge Haupt gesenkt in demutvoller Scham.
Ich sah Deine Augen nicht mehr, Deine leuchtenden, siegenden Augen, und ich schämte mich vor Dir, der Du mich verlassen hattest.
Fröstelnd zog ich mein Gewand zusammen über meiner jungen, jungen Brust, dann starrte ich in die Nacht hinaus mit thränenlosem Blick und sah Dich auf Deinem Throne, und das Volk wand sich vor Dir im Staube und jauchzte Dir zu, Dir, dem jungen König.
Und stolz schautest Du auf sie herab, Deine Augen suchten mich nicht mehr, – – das war vorbei. –
Die sterbenden Rosen entblätterten, schwerduftend und sinnbethörend, ich aber nahm sie und warf sie ins Meer, eine nach der andern.
Und der Sturm zerpflückte sie und trug sie hinaus, weit, weit, dorthin, wo das Land meiner Sehnsucht liegt.
– – – – – – – – – –
Es war einmal ein junger König, der hatte strahlende, unergründliche Augen, hell wie die Sonne und tief wie das ewige Meer.




Eddy Beuth - Wie ich Dich träumte

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