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Eddy Beuth – Lieder einer Verlorenen.     Zur Biographie

Aus: Liebeslieder moderner Frauen, Eine Sammlung von Paul Grabein, Hermann Costenoble Verlag, Berlin, 1902, S. 30 ff.



Lieder einer Verlorenen.

I.

Und weißt Du, wer ich bin, die buhlend küßt?
O, frag mich sacht, daß ich die Antwort finde.
Fühlst Du, wie zitternd Dich mein Arm umschließt?
Ich bin das qualgeborne Kind der Sünde.


Einst war ich keusch und rein wie ein Gebet.
Einst glich auch ich dem Frühlingssonnenkinde.
Ich kann nicht mehr zurück – es ist zu spät.
Ich bin das qualgeborne Kind der Sünde.


Nun küß ich in den Nächten, fieberheiß,
daß die Erinn'rung aus der Seele schwinde.
Einst war ich keusch und rein – ich weiß – ich weiß
– – ich bin das qualgeborne Kind der Sünde.

II.

Weißt Du, ich hab an den andern gedacht,
als ich bei Dir ruhte heute Nacht, heute Nacht,
verzweifelt war schier mein Sehnen.
Und als Du mich dann so wild geküßt,
da war's mir, als ob ich ertrinken müßt,
ertrinken in meinen Thränen.


Und als Du mich fest und fester umfaßt,
da hab ich Dich abgrundtief gehaßt,
mir graute vor Deinen Küssen.
Es schrie in mir auf in unendlicher Qual:
Laß einmal mich denken, ein einzig Mal!
Mein Haupt sank müd in die Kissen.


Und ich träumte von ihm, der mein junges Sein
lockt' in den Abgrund der Sünde hinein,
und ich wähnte, er sei mir zur Seite
wie damals, als ich so bleich wie der Tod,
ein zitterndes Kind, meine Jugend ihm bot!
O Gott – und ich lieb ihn noch heute.




Eddy Beuth - Lieder einer Verlorenen.

Eddy Beuth - Lieder einer Verlorenen.

Eddy Beuth - Lieder einer Verlorenen.