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Kleine Perlen – Die Sechste


Sebastian Brands Narrenschiff – 2. Der Narr im Rath

Sebastian Brands Narrenschiff mit den Holzschnitten der ersten Ausgaben, Verlag Franz Lipperheide, Berlin, 1872, S. 3 f.

Erneuert von Karl Simrock.

Zwei Narren heben ein Schwein mit Stecken in einen Keßel.

Die Sau wohl in den Keßel stößt,
Wer im Rath sich auf Gewalt verläßt,
Oder dreht sich wie der Wind herbläst.

Viel Leuten scheint es Heil und Frommen
Recht früh nur in den Rath zu kommen,
Die doch vom Rechte nichts verstehn,
Und tappend an den Wänden gehn.

Todt ist der gute Cusi itzt,
Achitophel im Rathe sitzt.             Buch d. Kön. IV, 5. 21
Wer richtet thu es nicht nach Dunken,
Noch wie der Herr ihm zugewunken,

Sonst wird es stäts ein Zaunstock bleiben
In den Keßel nur die Sau zu treiben.
Fürwahr ich sag, es hat nicht Fug,
Mit Dunken ist es nicht genug,

Damit wird nur das Recht gekränkt:
Es braucht, daß man sich wohl bedenkt,
Und fragt bis man recht ward beschieden.
Verkürzest du das Recht hienieden,

Bleibt dir kein Wehrwort gegen Gott.
Glaub mir fürwahr, es ist kein Spott:
Wüste Jeder was dereinst geschähe,
Im Urtheil wär er nicht so jähe;

Denn mit dem Maß wird jedem Mann
Gemeßen womit Ers gethan.
Wie du mich richtest und ich dich,
So wird Er richten dich und mich.             Matth. 7, 2.

Einem Jeden wird nach seinem Tod
Das Urtheil, das er Andern bot.
Wer richtend Andere verletzt,
Dem ist ein kurzes Ziel gesetzt,

Da er ein übel Urtheil findt:
Es fällt ein Stein ihm auf den Grind.
Wer hier Gerechtigkeit nicht hält,
Findet sie scharf in jener Welt.

Gewalt noch Weisheit, List noch Rath
Mag Gott versöhnen, wenn er naht.




1. Der Büchernarr - Der Narr im Rath

1. Der Büchernarr - Der Narr im Rath

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