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Sebastian Brant – Das Narrenschiff – 2. Von gůten reten.

Herausgegeben von Karl Goedeke, F. A. Brockhaus, Leipzig, 1872, S. 9 f.

Mit den Holzschnitten der ersten Ausgaben, die bei Goedeke jedoch nicht vorhanden sind.

1.

Wer sich uf gwalt im rat verloßt
und henkt sich, wo der wint har bloßt,
derselb die su in keßel stoßt.

Von gůten reten.

Von guten reten - Narrenschiff

Vil sint, den ist darnoch gar not,
wie sie bald kumen in den rot,
die doch des rechten nit verston
und blinzlich an den wenden gon.
der gůt Cusi ist leider dot;
Achitofel besitzt den rot.
wer urteln sol und raten schlecht,
der dunk und folg allein zů recht,
wuf das er nit ein zunstock blib,
domit man dsu in keßel trib.
worlich sag ich, es hat kein fůg:
es ist mit dunken nit genůg,
domit verkürzet würt das recht;
es durft, das man sich baß bedecht
und witer fragt, was man nit wust;
dan wirt das recht verkürzet sust,
so hast kein wörwort gegen got;
gloub mir fürwor, es ist kein spot.
wan ieder wüst was folgt harnoch,
im wer zů urteln nit so goch.
mit solcher moß wirt iederman
gemeßen, als er hat getan:
wie du richtst mich und ich richt dich,
als wirt er richten dich und mich.
ein ieder wart noch sinem dot
der urteil, die er geben hot.
wer mit sim urteil bschwäret vil,
dem ist gesetzt ouch sin zil,
do er ein gwaltig urteil findt;
der stein der felt im uf den grint.
wer hie nit halt gerechtikeit,
der findt sie dort mit hertikeit.
kein wisheit, gwalt, fürsichtikeit,
kein rat got wider sich vedreit.




2. Von guten reten - Narrenschiff

2. Von guten reten - Narrenschiff

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