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Das Pfennig-Magazin

Das Pfennig-Magazin der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse

Die Nachtigall (MOTACILLA LUSCINIA)

11. Mai 1833 - Nr. 2

Man findet die Nachtigall in ganz Europa bis Schweden hinauf, jedoch giebt es Gegenden, wo sie nicht anzutreffen ist. In einem Teile von Frankreich, Holland, Schottland und Irland bemerkt man sie nicht; auch sieht man sie nur selten in den nördlichen und westlichen Grafschaften von England.

Die Nachtigall gehört unter die Zugvögel; sie verläßt Deutschland um den 20. August, und kehrt dahin um den 20. April zurück. Sie überwintert in Afrika und Asien, wo sie aber weder singt noch brütet. Einige Teile von Kleinasie n und Persien verläßt sie gar nicht. Sie hält sich am liebsten in solchen Gebüschen auf, in deren Nähe sich Wiesen mit Bächen und Gräben und Getraidefeldern befinden. Sie verweilt meistens ihr ganzes Leben an einem Orte, und kehrt bei ihren Wanderungen jedes Mal dahin wieder zurück, wenn sie nicht besondere Störungen erleidet. Sie duldet keine andere Nachtigall in zu großer Nähe um sich, und das darauf folgende Jahr dürfen sich ihre Jungen auch nicht zu nahe bei dem Standorte der Alten niederlassen, sondern müssen in gehöriger Entfernung bleiben.

Die Nachtigallen leben theils von Insekten, theils von Beeren. Die Ersten machen ihre Hauptnahrung aus. Auch fressen sie Regenwürmer. Im Frühjahre und Herbste lassen sie sich leicht fangen; ihre Neugierde gereicht ihnen oft zum Verderben. Ihr Gang ist hüpfend und geschieht gleichsam mit abgemessenen Schritten; nach einer gewissen Anzahl derselben bleibt sie stehen, richtet den Schwanz hoch auf, bückt sich einige Male, hebt den Schwanz wieder auf, und hüpft nun erst weiter.

Durch ihre Stimme zeichnet sich die Nachtigall vor allen Vögeln aus. Kein anderer Vogel hat so viel Töne in seiner Gewalt, und keiner kann so deutlich die verschiedenen Affekte ausdrücken. Sie giebt ihren Zorn und Unwillen, ihre Eifersucht, ihre Furcht, ihre Zuneigung zu ihrem Gatten durch bedeutungsvolle Töne zu erkennen. Das sogenannte Schlagen der Nachtigall ist bloß dem Männchen eigen, und tönt so hell und stark, daß man mit Recht über die Kraft der Kehle eines so kleinen Vogels erstaunt. So viele Mühe man sich auch gegeben hat, die schöne Harmonie der Töne und die anmuthigen Abwechslungen in den Strophen durch Sylben und Wörter auszudrücken, so ist deren Beschreibung doch nicht gelungen. Bald zieht die Nachtigall zehn Minuten lang eine Strophe einzelner melancholischer und flötender Töne hin, welche leise anfangen, allmälig stärker werden, und wieder leise enden; bald schmettert sie eine Reihe gerader, scharf abgebrochener Töne mit Kraft und Schnelligkeit hervor und schließt dann mit einzelnen Tönen im aufsteigenden Akkorde. Kenner des Nachtigallengesanges unterscheiden wenigstens 24 Strophen in demselben, ohne die vielen kleinen Abwechslungen zu rechnen. Im Ganzen haben jedoch alle Nachtigallen dieselbe Melodie, allein man bemerkt doch unzählige Abänderungen, und man wird häufig gewahr, daß die eine Nachtigall die andere im Gesange übertrifft. Viele Nachtigallen schweigen am Tage, und singen vor und nach Mitternacht, oft bis zum Morgen. Man nennt diese Nachtsänger; jedoch machen sie keine besondere Art aus; denn man hört sie zu andern Zeiten auch bei Tage fleißig singen. Alle Nachtigallen stimmen nach ihrer Ankunft in den schönen Frühlingsnächten ihr Lied an, um die vorbeiziehenden, einige Tage später ankommenden Weibchen anzulocken.

Der Gesang der Nachtigallen dauert höchstens 9 bis 10 Wochen; und hört um Johannis auf, obschon die Witterung hierbei einigen Einfluß hat. Sobald die Jungen ausgekrochen sind, hört ihr Gesang fast ganz auf, weil sie für dieselben sehr zärtlich sorgen. Da jetzt der Frühling gekommen ist, so wollen wir hier die Töne des Nachtigallengesanges mittheilen, wie sie der bekannte Naturforscher Bechstein in Sylben und Wörtern ausgedrückt hat:

Ziuu, tiuu, tiuu, tiuu,
Schpe tiu tokua,
Tio, tio, tio, tio,
Kuutio, kuutiu, kuutiu,kuutiu,
Tskuo, tskuo, tskuo, tskuo,
Tsii, tsii, tsii, tsii, tsii, tsii, tsii, tsii, tsii, tsii,
Kuoror tiu. Tskua pipitskuisi
Tso, tso, tso, tso, tso, tso, tso, tso, tso, tso, tso, tso, ssirrhading!
Tsisi si tosi si si si si si si si
Tsorre tsorre tsorre tsorrebi;
Tsatn, tsatn, tsatn, tsatn, tsatn, tsatn,
Tsatn,tsi.
Dlo dlo dlo dlo dlo dlo dlo dlo
Kuioo trrrrrrrtzt
Lu lu lu ly ly ly li li li
Kuio didl li lulyli
Ha guur guur kui kuio!
Kuio, kuui kuui kuui kui kui kui kui
Ghi, ghi, ghi,
Gholl gholl gholl gholl ghia hududoi.
Kui tui horr ha dia dia dillhi!
Hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets, hets,
Tuarrho hostehoi
Kuia kuia kuia kuia kuia kuia kuia kuiati;
Kui kui kui io io io io io io io kui
Lu lyle lolo didi io kuia.
Higuai guai guay guai guai guai guai guai kuior tsio tsiopi.

Die Nachtigall

Die Nachtigall

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