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Das Pfennig-Magazin

Das Pfennig-Magazin der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse

Palais Royal und die Galerie d’Orleans zu Paris.

11. Mai 1833 - Nr. 2

Das Palais Royal zu Paris ist ein ganz neues Gebäude: als der Kardinal Herzog von Richelieu die Stelle kaufte, welche es einnimmt, sah man daselbst bloß die beiden alten Hotels Mercoeur und Rambouillet. Damals waren die Straßen Richelieu, Montpensier, Beaujolais noch nicht offen und die Mauern des alten ehemaligen Paris liefen noch schräg durch die Gärten. Auf das Geheiß des Kardinals bekam dieser ganze Teil von Paris ein ganz anderes Ansehen; die Hotels wurden abgetragen, die alten Mauern zerstört, die Gräben ausgefüllt, der Boden ward gleich gemacht und die Straße Richelieu durchbrochen. Im Jahre 1629 erhielt der Baumeister Lemercier den Auftrag zu den Bauten.

Damals lief an der Stelle, wo jetzt die Galerie (der Säulengang) d’ Orleans steht, eine Terrasse hin, welche von sieben durchbrochenen Bogenhallen getragen ward, bis ans erste Stockwerk reichte und beinahe dieselbe Wirkung machte, die man jetzt bemerkt. Die Würdezeichen des Oberaufsehers der Marine, welches Amt der Kardinal bekleidete, wiederholten sich zwischen jeder Bogenhalle; sie waren in erhabener Arbeit eingegraben und bestanden in einem Vordertheile des Schiffs und in zwei Ankern nach unten hin. Diese Verzierung wird man jetzt noch bloß am rechten Flügel des Ehrenhofs honneur) gewahr.

Wer jeden Abend seine Zeit in der Galerie d’Orleans zubringt, der darf nur einige Schritt thun, um den Anblick dieser Verzierungen zu genießen, welche noch allein bei diesem Denkmale an den Kardinal Richelieu erinnern, der es erbauet hat.

Der ungeheuere Reichthum in seinen Zimmern, und die Verschwendung, welche sich der Kardinal zu Schulden kommen ließ, hätten ihm beinahe die Gunst des Königs entzogen, wenn er nicht der Ursache dieser Ungnade dadurch vorgebeugt hätte, daß er sein Hotel seinem Gebieter durch eine Schenkung unter Lebenden nebst mehrern Geräthschaften und Kostbarkeiten abtrat. Der König nahm dieß Geschenk an, und so kam das jetzige Palais Royal in seinen Besitz.

Im Jahre 1692 erhielt der Bruder Ludwig’s XIV., der Herzog von Orleans, unter dem Namen einer Apanage dieß Gebäude, welches bis zum Jahre 1763 keine wichtige Veränderung erlitt, wo eine Feuersbrunst, welche die Façade des Hauptgebäudes verzehrte, die Loosung zu einer wichtigen Erneuerung gab.

Im Jahre 1781 fing für das Palais Royal ein neuer Zeitpunkt an, wo es der thätigste Mittelpunkt von Paris für den Gewerbfleiß ward. Der Herzog von Chartres (späterhin Herzog von Orleans) ließ den geschickten Baumeister Louis zu sich kommen, und nach seinen Entwürfen beschloß man, einen breiten Streifen von dem Umkreise des Gartens wegzunehmen, um daselbst die drei Hauptgebäude aufzuführen, welche man jetzt sieht. Die Pariser waren darüber sehr aufgebracht, weil ihr Spaziergang verkleinert ward; allein ungeachtet dieses Geschreies bauete man fort, und im J. 1787 waren drei Façaden (Vorderseiten) fertig; allein es entstanden Unruhen, als man die Grundlagen zu der vierten legte, welche sich von den drei andern bloß durch eine kleine Kuppel, ähnlich dem Pavillon de l’ Horloge der Tuilerien, und durch eine untere durchbrochene Säulenreihe unterscheiden sollte. Da die französische Revolution im Jahre 1789 die Arbeiten unterbrach, so bauete man breterne Schoppen, in denen man zwei Spaziergänge und zwei Reihen Baraken anbrachte. Anfänglich führten sie den Namen Tartarenlager (camps de tartares), welcher aber bald durch jenen der hölzernen Galerie (galerie de bois) ersetzt ward, deren Ruf sich in allen Erdgegenden verbreitete.

Wer diese hölzerne Galerie (galerie de bois) mit dem schönen im Jahre 1829 vollendeten Spaziergange zu vergleichen vermag, der wird sich freuen, daß der Kloak in eine prächtige Wohnung verwandelt worden ist, allein er wird auch bedauern, daß man dem neuen Gebäude nicht den malerischen Anstrich des alten gegeben vermocht hat.

Ein Marmorpflaster, das immer von Reinlichkeit glänzt, ist an die Stelle des gewöhnlichen und kothigen Bodens getreten, auf dem man herum ging; eine Kuppel von Krystall vervielfältigt die Sonnenstrahlen da, wo kleine Fenster sie durch ihren Schmutz hindurch ließen; geräumige Vorplätze und große Öffnungen gestatten den freien Umlauf der Luft, die sonst in den Winkeln verdarb; durchsichtige Magazine, die von polirtem Metalle glänzen, durch große Fenster erleuchtet werden, und die mannigfaltigsten Waaren enthalten, sind an die Stelle der elenden, ganz offenen Baraken gekommen, in welche der Staub eindrang. An jedem Pfeiler sind von oben bis unten Spiegel angebracht. Verzierungen und Schnitzwerk sind in Menge vorhanden, ein durchbrochenes Geländer läuft im ganzen Umfange unter dem gläsernen Dache hin; außen geht eine Säulenreihe um die Galerie; sie ist mit einer Terrasse bekränzt, auf welcher sich gleichmäßig eine Reihe von Cylindern, oben mit vergoldeten Kugeln darauf, erhebt. Eine doppelte Reihe Vasen mit Blumen vollendet die Verzierung des obern Spazierganges, während sich im Innern eine lange Reihe von Krystallkugeln alle Abende mit Licht füllt.

Allein ungeachtet aller dieser Schönheiten hat das Palais Royal doch einen Teil seines ursprünglichen Charakters verloren. Es hat keinen örtlichen Anstrich mehr, es ist ein prächtiger und reicher Bazar geworden, dergleichen Paris alle Tage mehrere erhält.

Galerie d'Orleans im Palais Royal

Galerie d'Orleans im Palais Royal

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