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Agathe Suhr – Die Nemesis.

Ein Nachtbild

Aus: Berlinische Blätter für deutsche Frauen, Band 5-6, Hrsg. von Friedrich de la Motte Fouqué, Kraus Reprint, New York


Hoch thürmten sich die Wellen der Nordsee, und schlugen schäumend gegen die Felsklippen der Insel B., deren Einwohner in tiefe Ruhe begraben schienen, und das Unwetter überhören mochten, das ihr Eiland so grausig erschütterte. Der bleiche Mond stand halb verschleiert von zerrissenem Nachtgewölk über dem dunklen Wogengrabe, und beleuchtete ein Schiff mit englischer Flagge, das auf den Untiefen der Insel Schiffbruch gelitten, und nun, größtentheils zertrümmert, ein schreckliches Bild der Zerstörung bot. Mit furchtbarem Gekrach riß jetzt der letzte Theil auseinander, und die vom Sturm gepeitschten Wellen trieben die Ruinen dieses mächtigen Baues an die öde Küste. Todte Menschen und Thiere lagen bereits am Ufer zerstreut, auch Waaren und Geräthschaften in wilder Verwirrung. Zu gleicher Zeit sah man einen jungen Mann in einfacher aber edler Kleidung mit angestrengten Kräften dem Eilande zuschwimmen. Ihm folgten zwei gröber gekleidete Gestalten mit jener Nacheiferung, die ein gutes Beispiel erzeugt. »St. Patrik die Ehre!« rief der Fremde, als er nun am Ufer stand und sich schüttelnd und nach Luft ringend mit spähenden Blicken umher sah. »in dieser Nacht bedurfte es allerdings des Schutzes der Heiligen, und er ist uns geworden. Mein treuer Mac,« fuhr er gegen die jetzt auch landenden Diener gewendet fort, mein unermüdlicher John! – habt Ihr mit Euern alten Gliedern dem jungen Herrn wohl nachkommen können? Sein Auge flog jetzt auf dem Chaos am Ufer umher, und füllte sich mit Wehmuth. »Armer Kapitain Brovestonn!« rief er, sich zu der Leiche eines stattlichen Mannes hinabbeugend, »Dein so gutes System, durch Compaß und Landcharten unterstützt, konnte doch nichts ausrichten gegen die Felsriffe dieser Nordseeinsel. Nun – ruhe sanft! Du bist in Deinem Berufe gestorben, und ich will der Vater Deiner Kinder sein. Aber beim heiligen Georg!« fuhr er sich rüttelnd fort – »hier bleiben ist unthunlich, wenn ich nicht Morgen früh neben diesen Trümmern als eine Leiche gefunden sein will. Ich muß Licht und Wärme haben; wo möglich auch ein gutes Bett und einen Trunk Punsch. Seht nur! Flimmert dort aus einer Hütte nicht Licht hervor? Hoffentlich ist es durch Menschenhände angezündet, und die Seele, die diese Hände leitete, ist voll Mitleids.« Der Fremde schritt nach diesen Worten rüstig fort, und gelangte in kurzer Zeit an's Ziel ihrer Wünsche, das eben so bescheiden war, als sie selbst.

Es schien noch alles wach in dem Fischerhause, und laute Stimmen wurden gehört. Auch öffnete ein großer, strenge aussehender Mann beim ersten Anpochen die Thür der Hütte, und fuhr unwillkürlich zusammen vor nassen Erscheinung. »Wollt Ihr mir ein Nachtlager geben?« fragte der Gescheiterte. »Ich bin mit einem englischen Schiff an Eurer Küste gestrandet. Der bleiche Mond beleuchtet dort Trümmer und Leichen; ein günstiges Geschick ließ mich und meine beiden Diener Rettung finden. Ich bin der Laird Archimbald Linlithgow, Pair von Schottland, der Güter genug sein nennt, Euch würdig zu belohnen, wenn die Tugend der Gastfreundschaft überall eines andern Lohnes werth ist, als dessen der Dankbarkeit.« »Laßt das Herr Lord!« – rief Thomas Lindström mit ironischem Lächeln. »Ich kenne Euch Großen der Erde, und weiß, was von Euren Worten zu halten ist. Kommt inzwischen in meine Hütte; sie soll Euch geben, was ihre Armuth vermag.«

Der Laird trat in ein niedriges, aber freundlich geschmücktes Zimmer, wo ein schönes Mädchen am Spinnrade saß, dessen Wocken die jüngeren Geschwister am vergangenen Tage mit Cypressen, Rosmarin und Schneeglöckchen verziert. Diese Blüthen, dem Tode geweiht, durchschauerten Archimbald wunderbar, wie das ganze rührende Bild in der stillen Mitternachtsstunde ihn eigenthümlich ergriff. »So fleißig noch in später Nacht, schöne Jungfrau?« fragte der Laird mit feinem Lächeln, »hat denn der Tag nicht Stunden genug für die ämsigen Finger ?« »Ein jeder Tag hat seine Plage, Herr Lord!« fiel Thomas dazwischen, »und das empfinden wir kleines Gewürm am schwersten. Drum müssen wir auch die Nacht zu Hülfe nehmen, um was Ausserordenstliches zu schaffen, und das ist dieses, denn das Mädchen spinnt für den Brautschrein1. Der Flachs ist am Himmelfahrtstage aus blauer Schürze gesäet, und wohl gerathen; möge denn auch Gott das Uebrige zu einem guten Ende leiten.« Das große, tiefblaue Auge des Mädchens richtete sich bei des Fischers Worten flüchtig-verschämt auf den Laird, und sank dann zur Arbeit nieder. »Aber was sitzest Du da, Anna! und träumst an Deinem Rade, als sei sein Faden der Deines Schicksals,« fuhr Thomas Lindström unwillig heraus. »Rühre Dich. Geh flink in den Keller, und hole eine Flasche des alten Jamaikarums, den der englische Schiffer Jackson mir neulich verehrt. Auch Brodt, Butter und von dem eigengefertigten Ziegenkäse; das Eiland bietet nichts Besseres, Herr Lord!« Dieser überhörte den höflich-entschuldigenden Schluß des Wirthes, denn seine ganze Seele war bei der lieblichen Anna, die so eben fortgegangen. Blühten solche Blumen auf unwirthbarem Felsen, und hatte das Geschick ihn vielleicht hierher geschleudert, daß er sie brechen sollte in süßem Liebestaumel? So dachte der leichtsinnige Weltmensch in Archimbald, wenn auch seine besseren Gefühle eine andere Sprache redeten, und sich bemühten, in der schönen Inseljungfrau nur eine Heilige zu sehn. Wie schwer und deshalb unfruchtbar aber solch' ein Bemühen ist, lehrt die Erfahrung aller Zeiten, und daß es dem liebeglühenden Laird nicht gelang unsere Tradition. Denn immer dichter wurden die Zauberkreise, die Anna um ihn her zog. Er blieb von einem Tage zum andern, wozu ein leichtes Uebelbefinden willkommenen Vorwand lieh. Ihr Auge ward ihm der Himmel; wo sie weilte, blühte das Paradies. Er hatte nur die Treibhausfrüchte gekünstelter Weltanmuth kennengelernt; so frischer Naturreiz war ihm bis jetzt fremd geblieben. Er schlürfte den Göttertrank mit durstigen Lippen; er berauschte ihn, er ward ihm ein Lethe. Denn wie versanken die fernen Welt, die glänzenden Entwürfe, die weitaussehenden Plane seines stolzen Vaters vor dem reichen Leben des Augenblicks. Lange kämpften Herz- und Weltforderungen in seinem Inneren. Er unterlag den ersteren, und bestimmte Anna am Altare sein Weib zu werden.

Eine kurze Weile nur genoß Laird Linlithgow sein stilles Glück, und die Nachricht von dem Erkranken seines Vaters rief ihn nach Schottland. Nicht durfte er's wagen, die Niedriggeborne in die Kreise seiner stolzen Familie einzuführen, und zog es vor, allein zu gehn, um wo möglich die Herzen günstig für sie zu stimmen. Er fand den Vater ohne Hoffnung auf Genesung, und nur beschäftigt mit dem Gedanken: ihn Mathilden von Argyle, der reichsten Erbin des Hochlandes zu vermählen. Archimbald hatte seinen Vater stets kindlich geliebt, und im schönsten Verhältniß zu ihm gestanden. Es war dies die erste dringende Bitte, die er dem Sohne that; der nahende Tod verkündigte, daß es die letzte sein würde, und er hätte sie ihm abschlagen sollen? Nimmermehr. Anna, seine erste und einzige Liebe; die Blume auf unwirthbarem Felsen in der Nordsee fernen Fluthen verschwand vor der heiligen Pflicht, die der Augenblick ihm auferlegte. Er sah nur den sterbenden Vater, und gelobte: Mathilden von Argyle seine Hand zu geben.

Der Schmerz um den Tod des Laird's Linlithgow, die feierlichen Begräbnißceremonien, das Ordnen der verwickelten Vermögensumstände, füllte Archimbald's erste Zukunft aus, und es war beinahe ein Jahr vergangen, als er in Edingburg eintraf, um seine Vermählung zu vollziehen.

Mathilden's Briefe hatten ihn bereits für sie gestimmt; der Liebreiz ihrer äusseren Erscheinung überraschte ihn eben so sehr, als er ihn hinriß, und im Taumel von Festen, Glückwünschen und Geschäften vergingen mehrere Monate. Anna's wurde demungeachtet nicht selten gedacht, und ihr rührendes Bild stets mit tiefer Wehmuth begrüßt. Besonders lebehaft glaubte Archimbald es zu sehn, als er mit der reichgeschmückten Braut an köstlicher Tafel saß, der fröhliche Hochzeitreigen in der hohen Halle ertönte, und der kostbare, künstlich gearbeitete Pokal, ein Geschenk Robert Bruces an einen seiner Ahnherrn, um die Tafel kreiste. Da glaubte der Bräutigam, Anna, das bleiche Inselweib, in einer der Zimmerecken zu sehen, wie sie einen Schilfkranz in den nassen Haaren, aus der Flut auftauchte, und ein wunderliches Meergebild ihn so bedeutsam, und doch still-versöhnt anschaute. Ein tiefes heißes Weh drang in sein Herz ein; der Wein dünkte ihn Wermuth; die schöne Braut an seiner Seite ein kaltes Marmorbild. Jetzt mußte er fort, hin, wo er so glücklich war, denn ihre Augen hatten ihn gar zu lockend gewinkt.

Er verkündigte seiner jungen Gemahlin schon am andern Morgen diesen festgefaßten Plan, und war edel genug, ihm ein Bekenntniß seines Verhältnisses zu Anna hinzuzufügen.

Sie nahm beides auf, wie junge liebende Gemahlinnen es wohl immer thun würden, d. h. mit Thränen. Doch war ihr Herz eben so sehr zum Vergeben, als Nachgeben gestimmt, und sie fügte sich kindlich der Nothwendigkeit.

Laird Linlithgow traf nach einigen Wochen auf der Insel B. ein. Statt der Hütte des Fischers Thomas Lindström sah man eine Brandtstätte voll Asche und Trümmer, und ein frisches Grab mit Cypressen und Schneeglöckchen bepflanzt lag daneben. Auf dem Grabe saß eine alte Frau in der dunkelblauen Landestracht mit schneeweißer Schürze und Kopftuch, die ein schönes vielleicht drei Monate altes Kind in ihren Armen hielt. Großer Gott, welches Gemälde setzte sich der Laird aus den Pinselstrichen zusammen, die er hier fand. Es ward seinem Auge ein Schreckbild; er verhüllte es in unwillkürlichem Beben. »Sage mir, Mutter,« so fragte er nach einer geraumen Weile, – »wie ist es mit dem Fischer Themas Lindström und seiner Tochter Anna geworden?« »Der Fischer hat seine Hütte in Brandt gesteckt, als er erfuhr, daß Laird Linlithgow die Gräfin von Argyle freien würde,« entgegnete die Alte mit eintöniger Stimme. »Sie ist aufgefackelt zusammt seinem Hab' und Gut, und er hat bei diesen Flammen, bei seinem längst schon in Asche gelegten Lebensglück, den Schwur geleistet: Rache zu nehmen. Dann aber ist er über die See gezogen, kein Mensch weiß wohin. Seine Tochter floh von der Brandtstätte zu mir; sie schlich sich in einer stürmischen Mitternacht von ihrem Kinde aus dem Bette, und sprang in's Meer. Der bleiche Tag fand sie mit einem Schilfkranz in den Haaren an's Ufer geschwommen. Gott sei ihrer armen Seele gnädig.« »Und der meinigen,« – rief Archimbald dumpf in sich hinein, indem das Bewußtsein seiner Schuld ihm zentnerschwer auf die Brust fiel. Dann nahm er das arme verlassene Kind in seine Arme, um sich zu laben an dem unschuldigen Antlitz. »Und Ihr habt Euch des verwaisten Geschöpfes erbarmt, Mutter Martha?« rief der Laird mit ausbrechendem Gefühl. »O ich kenne Euch wohl, und auch Eure finsteren Blicke sagen mir, daß ich Euch nicht unbekannt bin. Ein schreckliches Schicksal hat hier gewaltet, und ich erscheine als ein Verbrecher vor Euren Augen. Aber Gottes Wille hat mehr Antheil an diesem Unglück, als Ihr vielleicht glaubt.« »Behaltet Eure Worte, Herr Lord!« rief die Alte unwillig, »mir frommen sie nicht.«

Frau Martha erhob sich. Ihre hohe ungebeugte Gestalt stand wie eine richtende Göttin über der Brandstätte, über dem frischen Grabhügel, und nur das lächelnde Kind in ihren Armen schien Frieden zu bringen in dies verworren-nächtliche Bild. Der Laird entriß es Frau Martha's Armen. »Sie ist mein,« – rief er, – »und ich will das theure Liebespfand mit mir nehmen. Ist sie getauft?« »Im Namen des Vaters, des Sohnes, und des heiligen Geistes,« antwortete die Alte mit feierlicher Stimme, indem sie sich ehrerbietig neigte vor den hochgeweihten Namen.


* * *


Es waren seit jener Mitternacht, da Laird Archimbald von Linlithgow mit der Mutter Martha aus der Brandstätte von Thomas Lindströms Hütte stand, achtzehn Jahre vergangen. Wenn auch unter den Bewohnern der Insel B. sich manches verändert in diesem Zeitraum, so lag doch sie selbst noch eben so kahl und öde im Westmeer, und die ewiggleichen trieben wie damals ihr Spiel in ruhelosem Wechsel.

Es war eilf Uhr vor Mitternacht, und tiefe Ruhe, nur von Zeit zu Zeit durch einen Naturlaut unterbrochen, schien über das Eiland gebreitet. Doch blickten von einem ansehnlichen wie es schien, neu erbauten Hause einige hell-erleuchtete Fenster in das nächtliche Schweigen hinaus. Sie gehörten dem Pfarrer Werlach, der in seinem Armsessel saß, und in jenes grübelnde Sinnen versunken war, das Stille der Umgebung so leicht erzeugt.

Alles war bereits zur Ruhe gegangen, selbst das treue Windspiel Silvia lag schlummernd auf seinem grünen Kissen, und dehnte nur von Zeit zu Zeit die schlanken Glieder in behaglichen Träumen. Draussen in der Natur ward es immer wilder. Die Insel, auf der Werlach das Amt eines Seelsorgers verwaltete, lag ziemlich weit vom Festlande entfernt, und daher allen Stürmen Preis gegeben. Auch heute Abend heulten sie schauerlich um die kleine Wohnung, und wetteiferten mit dem Geschrei aufgeschreckter Seevögel, und dem hohlen Brausen der empörten Wellen. Die Scheiben schlugen klirrend an einander; die Eule gurgelte in den sausenden Eichen ihr gespenstisch Nachtlied, und selbst die tiefversunkene Silvia schreckte knurrend von ihrem Lager auf, ob des sonderlich starken Windstoßes, der plötzlich die Insel zu erschüttern schien. Doch störte das Wüthen der Elemente den wackeren Pfarrherrn nicht; vielmehr schlug er den großen Folianten auf, der vor ihm lag, und war eben im Begriff, mit Hülfe seiner Brille, die feingedruckte Schrift des alten griechischen Klassikers zu entziffern, als es stark und wiederholt an die Hausthür pochte.

Ein Gefühl der Ueberraschung, leichtem Schreck nicht unähnlich, durchzuckte des Pfarrherrn Inneres, doch sich seiner Regung schämend, stand er schnell auf, hob den schweren künstlich gearbeiteten Messingleuchter vom eichenen Tische, und begab sich auf den Flur, die Hausthür zu öffnen. Eine Schaar fremdartig gekleideter Gestalten mit verlarvten Gesichtern drängte sich um ihn her, und bat durch Zeichen: voran zu gehn. Im Zimmer angekommen, zog der scheinbare Anführer dieses wunderlichen Haufens eine Pistole und eine Rolle Gold aus dem Busen hervor. Der Pfarrherr sah mit geheimen Beben dies Beginnen, und ein frommes Gebete ihn im Drang des überwältigenden Augenblicke zu bewahren vor Uebereilung und Sünde, stieg aus seiner Brust nach oben. Folgt mir Augenblicks in die Kirche Herr Pfarrer! – rief der Fremde mit einer rauhen Stimme, in der Werlach die Mundart dieser Insel erkannte, der man es freilich anhörte, daß ein langer Aufenthalt in anderen Gegenden ihre Eigenthümlichkeit geschwächt. »Wozu?« – fragte der Prediger mit ruhigem Ton. »Um Eurer Pflicht Genüge zu leisten, und ein Brautpaar vorm Altar einzusegnen« – war die Antwort. »Was unter geheimnißvollen Schleier von mir verlangt wird, kann ich nicht als Pflicht erkennen,« – entgegnete Werlach mit entschiedenen Ton –»und ich werde Euch nicht in die Kirche folgen.« Eine unwillige Bewegung des Fremden folgte diesen Worten, doch mit großer Gewandheit die Pistole auf des Pfarrherrn Brust setzend, fuhr er kaltblütig fort: »Entweder oder, Herr Pfaffe: Ihr traut das Liebespaar das im Kirchlein Eurer wartet, und nehmt als Lohn diese Rolle Guineen,  oder das Pistol macht Euch kalt!« »Macht Euch kalt!« – so wiederholte ein dumpfes Stimmecho der Umstehenden, und der heulende Sturm, die krächzenden Raben, schienen eine passende Melodie zu diesen schauerlichen Worten. In des Pfarrers Seele kämpften die Gewalten des Augenblicks; doch war er bald entschieden: daß er das Leben dem Tode vorzuziehen, schuldig sei. »So verzieht eine Minute – sprach er gefaßt – »und erlaubt, daß ich meinen Ornat anlege.«

Bald trat der feierlich Geschmückte hervor aus der Nebenkammer, und sein frommes Gesicht leuchtete so verklärt durch des Gemaches Helldunkel, daß es den Umstehenden gewiß werden mußte: wie er seine Sache mit Gott berathen, und von ihm Freudigkeit zu dem schweren Gange empfangen habe.

Sehr überrascht ward der Pfarrherr bei seinem Eintritt in das Kirchlein schon alles zur Ceremonie bereitet zu finden. Die Kerzen waren angezündet; feierliche Orgelklänge zogen durch die Wölbungen, und fast gefüllt war das Gotteshaus von Gestalten in derselben fremdartigen Tracht, wie diejenigen, die Werlach hierher beschieden hatten. Aus dem Beichtstuhl traten zwei kolossale Männergestalten in feinerer Kleidung, doch dem Schnitt und der Farbe nach nicht von der anderen verschieden. In ihrer Mitte ging eine schlanke, weiß gekleidete Frauengestalt. Sie war verschleiert, doch nicht unter so dichten Hüllen, um ganz unkenntlich zu sein. Der Pfarrherr sah edle aber bleiche Züge, und ein dunkles Auge, das sich mit schwärmerischer Glut auf ihn richtete.

Nachdem die beiden ebenfalls verlarvten Führer dieser bleichen Braut sie mit herrischem Anstande einer hochgewachsenen Männergestalt übergeben, die sie sanft zum Altar führte, und die Lebende mit zarter Schonung zu unterstützen schien, gab man dem Pfarrherrn einen Wink, die Trauung zu beginnen. Die Angst vor Sünde ergriff des frommen Mannes Herz. Er zögerte sichtlich, und war eben im Begriff, der geheimnißvollen Gesellschaft Fragen über den Zusammenhang dieser räthselhaften Begebenheit vorzulegen, als jene kolossale Gestalt, die ihn in die Kirche gefordert, sich mit dem Pistol in der Hand zu ihm drängte, und ihn zu dem zwang, was Gefühl und Vernunft mißbilligten.

Wie hätte die Traurede aus dem Herzen fließen können bei so schauerlich drängenden Umständen, die sie erpreßten? Todt und hohl flogen die Worte von der Lippe; sie wurden übertäubt durch den heulenden Sturm, der zu immer größerer Höhe stieg, durch das Wogengebraus, durch die schreienden Nachvögel, selbst durch das laute Schluchzen der bleichen Braut, die im Uebermaaß schmerzlicher Empfindungen zu vergehen schien. Jetzt war die Ceremonie geendigt. Der Bräutigam reichte dem Priester mit krampfhaften Druck die Hand, aus der eine schwere Goldrolle in die seinige fiel. Die Braut verneigte sich schüchtern, und ging in den Beichtstuhl zurück.

Der Pfarrherr, nur zu wohl fühlend, wie überflüssig er jetzt hier sei, und sich überdies nach Ruhe sehnend, meinte das unverstandene Werk, das, er begonnen, nun auch vollenden und den Dingen ihren Lauf lassen zu müssen. Er hielt drum Keinen mit störenden Fragen und Erörterungen auf, sondern entfernte sich eilig aus der Kirche. Zu seinem Erstaunen bemerkte er, daß sie fast ganz leer sei, und seine aufgeregte Einbildungskraft ihm demnach die Menge jener verlarvten Gestalten müsse vorgespiegelt haben, die er beim Eintritt zu sehen geglaubt.

Im bleichen Mondlicht, das gespenstisch über der Nachtlandschaft schwebte, sah er auf den schwarzgethürmten Meeresfluten mehrere Schiffe schwanken. Mit peinlichen Gefühlen, empfand er die schwere Goldrolle in seiner Hand. »Nimm den Lohn hin, der vielleicht für Sünde gezahlt ward« – rief er heftig, und schleuderte sie ins Meer. »Ihr Fluten, die Ihr auf Euren Rücken jene Versucher zu mir trägt, verschlingt ihren Judassold.«

 Des Pfarrherrn Wohnung lag dem Kirchlein ziemlich nahe, und recht behaglich empfing ihn sein stilles trautes Zimmer, in dem die gewohnten Umgebungen und Gegenstände ihn noch den tief erregenden Sinnen der nächstvergangenen Stunde wohlthuend und fast besänftigend anblickten. An Schlaf konnte er freilich nicht denken, sondern versank in jenes wache Träumen, das eine vielbeschäftigte Einbildungskraft stets erzeugt.«

Da schlug die Thurmuhr durch den heulenden Sturm Mitternacht und zu gleicher Zeit fiel in nicht gar weiter Ferne ein Schuß. Mit Entsetzen fuhr der Pfarrherr aus dem Lehnsessel auf, und die treue Silvia war mit einem Sprunge im Fenster, und bellte unruhig den bleichen Mond an, der aus der Mitte schwarzer, zerrissener Wolkenberge in das stille Stübchen sah. Auch der Pfarrherr folgte seinem Gesellschafter, und starrte auf die wildempörten Meeresfluten, durch welche er in schnellem Lauf zwei Schiffe ihren Weg nach Norden nehmen sah. »Da ziehn sie hin die Schrecklichen, die mich mit meinem Gewissen entzweiten, indem sie eine unverstandene That auf meine Seele wälzten« – rief-  Werlach in sich hinein. »Ist jene Ehe, der ich den erzwungenen Segen gab, im Himmel geschlossen, oder war es freche Menschengewalt, die das heilige Sacrament als Mittel für niedrige Erdenzwecke wählte?«

Früh am anderen Morgen schon, als die junge Sonne die grauen Nachtschatten verscheucht, und der glänzende Tag über der einsamen Insel im Westmeer aufgegangen, schritt der fromme Priester mit neu gestärkten Kräften und erleichter Brust zum Kirchlein am Meer, um mit dem Kirchendiener, der dicht daneben seine Wohnung hatte, über das wunderbare Nacht­abentheuer zu reden, und sich von ihm vielleicht nähere Auskunft geben zu lassen. Er erfuhr, daß die verlarvten Gestalten es mit ihm eben so gemacht, und ihn zwischen Tod und Leben hätten schweben lassen, bis er versprochen, die Kirche für eine Trauungsceremonie einzurichten. »Hörtet Ihr auch den Schuß um Mitternacht?« – fragte der Pfarrherr nach einer kleinen-Pause. »Wie sollte ich nicht Hochwürdigster!« antwortete der Gefragte«. »Aber ich bekreuzigte mich in des Herrn Namen, und stieg in mein Bett, keinen Beruf fühlend, mich noch ein Mal in das Getreibe der Geheimnißvollen hinaus zu begeben.

Ueber Werlachs Gesicht zog ein wehmüthiger Ausdrucks Er verlangte von dem Diener den Kirchenschlüssel, und begab sich ins stille Heiligthum, das jetzt freundlich schimmerte in der Morgenbeleuchtung. Zum Altar wendete er seine Schritte, doch wurden sie dicht vor demselben durch etwas gehemmt. Zur Erde blickend gewahrte er mit Erstaunen, daß ein Leichenstein aus seinen Fugen gerückt, und lose wieder aufgelegt sei. Mit Hülfe des Kirchenwächters hob enden Gewaltigen von einer nicht gar tiefen Grabhöhle, aus deren Dunkel ihm die weißgekleidete Gestalt jener bleichen Braut entgegen schimmerte, die er gestern getraut. Im vollen Anzuge, den durchsichtigen Schleier verschoben, und überhaupt wie in großer Eile hineingelegt, lag sie da. Ein Cypressenzweig, und zwei Schneeglöckchen, die auf ihrem Haupte ruhten, schienen Zeichen tiefer innerer Empfindung mitten im schauerlichen Halbdunkel dieses geheimnißvollen Schicksalswaltens. Begierig ergriff der Pfarrherr ein kleines Papier, das er jetzt auf der linken Brust der Todten erblickte. Was aus dem Herzen dieses bleichen Engels kam, mußte ja gut und freundlich sein. Mit Blut geschrieben las er in gallischer Sprache: das Opfer ist vollendet, und daß es einem guten Zwecke galt, schwöre ich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Dies möge Euch die Ihr Mitwisser wurdet in der geheimnißvollen Werkstatt – meines Lebens zum Troste dienen, und Euren Mund versiegeln für Zeit und Ewigkeit.

»Wunderbar,« rief der Pfarrherr, das Papier leise auf die Brust der Todten zurücklegend, und die Arme über der Brust zusammengekreuzt, mit starrem Blick in die Grabhöhle schauend. »Wie sich auch meine Zukunft gestalten möge,« fuhr er leise fort, »diese bleiche Gestalt wird sich störend zwischen mich und jede Freude drängen. Denn welches Opfer sie auch gebracht, es war ein Opfer der Schwärmerei, und darum ein unreines, ein vergebliches. Das Leben gehört nicht dem Eigner; es ziemt einer höhern Hand, die Fäden desselben abzulösen.«


* * *


Mehrere Jahre waren seit der geheimnißvollen Trauung vergangen. Der Leiche jener unbekannten Braut, die über's Meer an dies öde Eiland kam, um ihren Tod gleich nach des Daseins heiligsten Moment zu finden, war eine friedliche Ruhestatt auf dem Kirchhofe geworden, der etwas hochliegend, mit seinen blumigten Gräbern so freundlich über die Meeresfläche hervorragte, und die Müden zur Ruhe lockte. Der Pfarrer hatte das Grab mit weissen Rosen und Schneeglöckchen schmücken lassen, auch Rosmarin und Cypressen mischten ihr Grün hinzu, und ein einfaches Kreuz mit der Inschrift des Datums jener geheimnißvollen Mitternacht, und einem Bibelspruche ragte unter den Blüthen hervor.


* * *


Der Modegeist der Zeit, vielleicht auch das wirkliche Gutachten der Aerzte hatte plötzlich die salzigen Meeresquellen als ein Heilmittel für die mannigfachsten Leiden erprobt, und auf auf der Insel B. war eine Badeanstalt errichtet worden. Von nah und fern strömten Gäste herbei, ihre Uebel und Langeweile in die Nordsee zu begraben, das Originelle des Eilandes, die ungestörte Nationalität der Einwohner gaben wenigstens für eine Sommersaison des Stoffes für die Unterhaltung genug. Die einsame Insel, auf der sonst nur das derbe, gutmüthige Schiffer- und Fischervolk nebst einigen Beamten wohnte, ward jetzt der Sammelplatz modischer Herren und Damen aus Residenzen und von Rittersitzen; elegante Toiletten präsentirten sich auf den neu angelegten Promenaden; zierliche Brunnenbecher mit andern Apparaten reicher Frauen von Ton sah man in den niedrigen Kämmerleins stehen und liegen, und mit den gewaltigen Naturstimmen der Wellen, Eichen und Seevögel, mit dem wehmüthig-klagenden Ton der Sprache, vereinte sich das Lispeln der fränkischen Mundart und der harte Accent der Einwohner Albions.

Dem Pfarrer Werlach war dies Welttreiben nicht recht. Er fürchtete: diese Einflüsse aus der großen Welt möchten die Eigenthümlichkeit der Inselbewohner schädlich stören. Es schmerzte ihn, wenn kalte Gesellschaftsmenschen mit vornehm-vernichtenden Blicken auf diese Kinder der Natur herabsahen, und sich in mitleidigen Spötteln so himmelweit über sie erhoben. Selbst seinen Friedhof sah er ungern von jenen Neugierigen besucht, die nur die Welle des Augenblicks dahin verschlag, und die eben so ungerührt fortgingen, als sie gekommen, um vielleicht im nächsten Augenblick eine heidnische Gottheit zu bewundern, die auf dieser Insel sehr häufig über den Eingängen der Häuser angebracht sind, oder im Gesellschaftssalon mit Charten- und Wortspiel den Abend zu verderben.


* * *


Es war eine stürmische Mitternacht, jener nicht unähnlich, die den Prediger Werlach vor zehn Jahren in das Kirchlein rief, um die erzwungene Trauung zu vollziehen. Wie damals ward an seiner Thür geklopft, stark und wiederholt. Er öffnete nicht ohne leichten Schauer, und sah einen hochgewachsenen Mann in eleganter englischer Kleidung vor sich stehn, der ihn hochathmend, und vom Sturm angegriffen einige Augenblicke stumm anschaute, und dann mit wankender Stimme sprach: »Meine Gemahlin, die Lady Campbell liegt im Sterben, und, wünscht vor dem heiligen Abendmahl Beichte zu thun. Können Sie mir augenblicks folgen?« Der Pfarrherr sah überrascht in des Fremden Gesicht. Es war schön und edel geformt, doch hatten Leiden ihre Spuren darin zurückgelassen, so wie es zur Stunde von unbesiegbarer Wehmuth überschleiert schien.

Werlach hatte oft von dem Lord-Campbell, Grafen von Breadalbann reden hören, der mit seiner kränkelnden Gemahlin aus London hier- her gekommen, um Heilung für dieselbe aus den Wellen der Nordsee zu schöpfen. Dies, meinten die Leute, hatte sie wohl eben so gut, in England selbst haben können – doch habe es mit dem Aufenthalte noch eine besondere Bewandniß, und die Lady scheine ihn vorzugsweise vor allen andern Seebädern gewählt zu haben. Man schilderte den Grafen einseitig, finster und mysantropisch; sie als einen Engel von Geduld und Ergebung, den in Mitten eines glänzenden Erdenschicksals geheime Leiden zu Tode drückten. Der Pfarrherr seiner liebenswürdigen Persönlichkeit wegen, von den Badegästen sehr gesucht, stand, dies dankbar erkennend, ein stetem Verkehr mit ihnen, und nur das englische Ehepaar hatte sich von allen kleineren und größeren Zirkeln fern gehalten. Desto auffallender war es ihm heute den stolzen Pair, vor sich zu sehen, den ihm die Welle des Schicksals eben so geheimnißvoll entgegen warf, als jene Verlarvten, dies vor zehn Jahren die Trauung geboten. Wie in jener Nacht entfernte sich der Pfarrherr in sein Kabinet, um den Ornat anzulegen, doch mit ganz andern Gefühlen kehrte er heute daraus zurück, da ihm der heiligste Auftrag geworden, der einen Seelsorger werden kann, während sich damals ein entsetzliches Geheimnis zwischen ihn und sein Beginnen zu drängen schien. Durch den Nachtsturm gingen die Männer zu der Wohnung der Gräfin Breadalbann die am Gestade des Meeres lag. Das niedrige Krankenzimmer war mit allen Erfordernissen des Luxus und der Bequemlichkeit neuerer Zeit ausgestattet, und es bildete den auffallendsten Contrast, die Umgebung einer reichen Dame aus London in diesem vielleicht vor Jahrhunderten zu sehen.

Sie selbst lag in schneeweiße Nachtkleider gehüllt in einem, im Zimmer befindlichen Alkoven, und schweren Krankenschlummer schien die schöne Gestalt zu fesseln. Der Pfarrherr trat näher hinzu, und erkannte zu seinem nicht geringen Erstaunen in den Zügen der Leidenden die auffallendste Aehnlichkeit: mit jener bleichen Braut, die auf seinem Friedhof hinter den Blumen schlummerte. Da kam es über ihn wie Geist der Offenbarung, und er wußte, daß die beiden ihn umgebenden Wesen in genauer Verbindung standen mit jener unglücklichen Frau, die Schwärmerei, Verbrechen oder Wahnsinn dem frühen Tode geweiht. Er glaubte nicht länger schweigen zu dürfen. Selbst der geleistete Eid dünkte ihn gelöst durch die Erscheinung des Lords, den er bei näheren Beschauen immer deutlicher als jenen geheimnisvollem Bräutigam zu erkennen glaubte. Er wollte eben die Lippen öffnen, um seine Sache einzuleiten, als Lady Campbell die Augen öffnete. Sie ergriffen klar und frisch die Gegenstände um sich her, und blieben dann mit seelenvollem Ausdruck auf dem Pfarrherrn haften. Sie winkte ihn zu sich, und sprach mit fester Stimme: »Sie sind der Prediger Werlach, nicht wahr?« Dieser bejahte schweigend. »Sie trauten vor zehn Jahren ein unbekanntes Paar. Die Braut blieb eine kalte Leiche auf Ihrem Eilande, und freundliche Menschenliebe bereitete ihr eine blumigte Grabstätte.

Werlach bejahte wie vorher, denn die aufgeregten Empfindungen ließen ihn keine Worte finden. Lord Campbell näherte sich besorgt dem Bette, und bat seine Gemahlin: die heftigen Gemüthserschütterungen zu vermeiden. Doch erwiederte sie entschieden: ein solches Aussprechen schade ihr nicht, sondern sei nur ein Thau der Wehmuth, der sie belebe.

»Sie wollen mir den Weg zum Himmel erleichtern,« sprach die Gräfin nach einigen Minuten tiefen Schweigens, und ich danke es Ihnen mit gerührtem Herzen. Mir ist wohl und leicht nach meinem kurzen Schlummer, und ich bin im Stande die Räthsel zu lösen, die, ich fühle es, schwer auf Ihrem Leben lasten müssen.«

Erst vor Kurzem entsiegelte der Todesengel einen Mund, dem die in Stimme vergehende Seele das Geständniß eines entsetzlichen Verbrechens entrang. Ich kann jetzt über Alles Auskunft geben; ich bin sie Ihnen schuldig, und hoffe, nach derselben die Ruhe zu finden, die mich floh, seit ich Gräfin von Breadalbann hieß.« Der Lord war leise fortgegangen, und der Pfarrherr nahm am Bette der Kranken Platz. Die kostbare Alabasterlampe warf einen verklärenden Schimmer auf das leidende Gesicht, dessen Züge sich zu sammeln strebten, als sie nun leise begann:

»Ich bin die Tochter des schottischen Pairs Archimbald von Linlithgow und der Jungfrau Anna Lindström. Dieses Papier enthält die kurze Erzählung der Umstände, welche die, den verschiedensten Ständen der Gesellschaft angehörenden Menschen einander zuführte.«

Mein Vater ließ mich auf einem Pachthofe in der Nähe seines Schlosses erziehen. Ich glaubte mich die Tochter des wackeren Sie Loweley, und war in diesem Verhältniß ein glückliches Kind. Nützliche Beschäftigungen freundliche Spiele, eine reiche, ernste Natur, seelenvolle Menschen bildeten mich zu einem denkenden und fühlenden Wesen aus, nur erhielt meine Einbildungskraft in der geheimnißvollen Nebelathmosphäre um mich her jenen hohen feierlichen Schwung, der den, mit der Vergangenheit ihres Vaterlandes bekannten Hochländern nicht selten eigen.

Herr Loweley lehrte mich die Geschichte Schottlands kennen; mit dem Laird Linlithgow las ich den Ossian in gallischer Sprache, Bard- und Chronikenschreiber trugen so viel Züge hochherziger Handlungen und heiliger Gefühle zusammen; Dichtung und Wahrheit vereinigen sich zu einem so anziehenden Ganzen, daß ein empfängliches Gemüth tief davon ergriffen werden muß.

Branda, die nur wenig jüngere Tochter des Laird Linlithgow, ward meine Freundin. Wir theilten gleiche Beschäftigung, gleiche Spiele. Dieselbe Vergangenheit nährte und beflügelte unsere Phantasie, dieselbe Gegenwart beschäftigte Geist und Herz. Selbst die Verschiedenheit unserer Sinn- und Gemüthsart diente dazu, das Verhältniß stets fester zu knüpfen. Branda's lebendiger, nach Kampf und Sieg strebender Geist fand in großen Opfern, in heroischen Thaten, in glänzend-tragischen Handlungen sein Ideal. Mir schwebte er reiner vor in den Tugenden der Duldung, der willenlosen Hingebung in Schicksals- und Menschengewalt.

Ich hatte mein vierzehntes Jahr erreicht, als Lord Linlithgow mir sagte, daß ich seine Tochter sei. Ich hatte mich, dem Herzen nach, immer als dieselbe betrachtet, und die irdischen Vortheile, die mir das neue Verhältniß bringen konnte, war ich nicht zu berücksichtigen fähig.

Jahrhunderte hindurch war es Sitte, daß die Lairds, ja sogar ihre Verwalter und Oberpächter, ihre neugebornen Kinder in die Häuser der Untersassen schickten, um dort etwa bis in's vierte Jahr groß gezogen zu werden. Die armen Leute thaten alles, was sie zum Besten der Kinder vermochten. Die Mutter nährte sie neben ihren eigenen. Der Vater wendete mehr Sorgfalt und bessere Kleidung auf diese fremden Kinder, als auf die seinigen. Und wenn sie wieder in's väterliche Haus zurückkehrten, so wurden sie von einer Heerde begleitet, die aus dem besten und jüngsten Vieh bestand, das während ihres Aufenthaltes bei dem Scallag oder Unterpächter geboren war. Diese Sitte konnte in den einfachen Zeiten des Alterthums etwas Nützliches haben. Sie schloß und unterhielt ein brüderliches Band zwischen Hohen und Niedrigen, Beherrschern und Unterthanen; sie gewöhnte dem vornehmen Jüngling früh an Einfalt des Lebens, am Gefühle der Menschlichkeit, und es ward dem Mächtigen leicht durch den Schutz, den er in kriegerischen Zeiten seinen Unterthanen gab, alles zu vergüten, was diese für sein Kind gethan hatten.

Hier und da ist diese Sitte noch vorhanden, doch wird sie nur von unedlen Reichen benutzt. Etwas ungestaltet findet man sie indeß häufiger. Es giebt nämlich viele Laird's, die ihre Söhne mit 10 bis 15 Jahren zu einem Oberpächter oder Vicar ihres Kirchsprengels schicken, um hier in der Stille und Einfachheit des Landlebens für die Universität ausgebildet zu werden. Eigenen sich in ihren Herrschaften keine Subjekte für die Leitung des heranwachsenden Jünglings, so senden sie ihn auch wohl auf die Güter eines Freundes, der dann die Oberaufsicht über dieselben erhält, doch sie nie in sein Schloß nimmt, da die störenden Einflüsse eines vornehm-geräuschvollen Lebens vermieden werden sollen. So kam auch als ich mein zwölftes Jahr erreicht hatte, der Sohn des Lords Campbell, Grafen von Breadalbann, in das Haus des Pächters Loweley. Er ward vom Lord Linlithgow als Sohn aufgenommen, und alles beeiferte sich, den Jüngling das elterliche Haus vergessen zu machen.

Arthur von Breadalbann ward mein und Branda's Lern- und Spielgenosse. Der 15jährige, für alles Schöne und Erhabene begeisterte Jüngling machte einen entscheidenden Eindruck auf unsere Herzen, und wenn Branda's lebhaftes Gefühl sich in glühenden Worten über die neue Erscheinung erschöpfte, so blieb ich stumm, aber in heimlicher Stille keimte, wuchs und reifte die Frucht meiner Liebe für Zeit und Ewigkeit.

Die Lady sank bei den letzten Worten erschöpft in die Kissen zurück. Der Pfarrherr glaubte sie ohnmächtig, und hielt ihr ein auf dem Tische stehendes Glas mit flüchtigem Salz vor. Ihre Lebensgeister sammelten sich bald. Sie hatte überhaupt durch den Rückblick auf die Vergangenheit eine wunderbare Klarheit erhalten. Er schien ihr ein Morgenthau geworden zu sein, der die in schwüler Mittagshitze fast gewelkte Pflanze zu frischem Jugendleben aufrichtete.

Wie könnte ich Ihnen wohl jenes stille, heilige Glück schildern, das von nun an seinen Sitz aufschlug in meinem Herzen, fuhr die Gräfin fort. Sie kennen Schottland nicht, nicht jenen Reiz seiner geheimnisvollem wunderbaren Natur; Sie sahen nicht die Schrift an jenem stillen Wolkenhimmel, nicht die Zauberschrift in Arthur's Augen.

Ich habe Ihnen schon früher gesagt, daß Lord Linlithgow mich an meinem vierzehnten Geburtstage seine Tochter nannte. Zugleich kündigte er mir an, daß ich mit dem Schäfer Macson in das Thal Glencroy reisen sollte, wohin diese oft von weit entlegenen Pachthöfen geschickt werden, um hier die Schaafe zu hüten, die in großer Menge an den Felsen herumklettern.

Ich sah es dem Lord an, daß er mir den Befehl nicht gern ertheilte; unterdrückte Bewegung zitterte in seinen Zügen, und er entließ mich mit einer heftigen Umarmung. Die Kälte mit der Milady von mir schied, machte mich glauben, daß diese Reise von ihr eingeleitet sei.

Ich habe Ihnen noch nicht von einer Person geredet, die eine schrecklich-bedeutende Rolle in der Tragödie meines Lebens spielt, und daher nicht im Hintergrunde bleiben muß. Es war ein alter Diener meines Vaters, der sich Thomas nannte, und so lange ich denken konnte, das Amt eines Haushofmeisters auf Schloß Linlithgow verwaltete. Das Verhältniß zwischen dem Laird und ihn schien ein vertrautes, nur durch lange Bekanntschaft und wichtige Verhältnisse sehr fest geknüpftes, und es mußte einem vorkommen, als habe der Herr dem Diener große Verpflichtungen, und suche dieselben abzutragen durch ein völliges Hingeben in sein Wollen, durch ein fast schwaches Erdulden seiner Bauernhaftigkeit. Mir fiel dies schon als Kind auf, aber Aeusserungen hierüber wurden von meiner Umgebung stets mit Achselzucken und geheimnißvollen Mienen beantwortet, die mir zu verstehen geben sollten: daß man an diesem Verhältniß nicht gern rühre, und es wohl ein wunderliches Geheimniß zum Grundstein haben möge.

Meine Reise in's Thal Glencroy reizte Thomas zu großem Unmuth auf, und er gab nicht undeutlich zu verstehn, daß man mich Arthurs wegen entferne, und ihm dies zu Herzen ginge. Ich wußte diese Theilnahme, wie begreiflich, tiefer und eigener zu erkennen, als alle seine übrigen Freundlichkeiten, und sie rief mich zu großer Dankbarkeit auf.

Die Beschreibung meiner Trennung von Freundin und Geliebten erlasse ich Ihnen. Ach! wie könnten diese Farben erster Jugendgefühle wohl wiedergegeben werden? Das Thal Glencroy war nicht der Ort, mich meine Liebe vergessen zu machen. Diese bemoosten Felsen, diese rauschenden Waldströme, diese stille Erhabenheit und dieser einförmige Ernst um mich her, nährten sie, und ich kehrte im Herbst mit ungeschwächter Neigung für Arthur nach Linlithgow zurück.

Der Blick, mit dem er mich empfing, sagte mir, daß auch ich geliebt sei, ach! er war mir des Trostes genug für die lange Zeit der Trennung. Ich begann mein gewohntes Leben von Neuem, doch schien eine Spannung in meine Verhältnisse gekommen. Ich fand Mylady unliebend, den Laird befangen, Branda aufgeregt, ungleich, Sir Loveley geheimnißvoll-feierlich, Arthur schweigsam und finster, Thomas mißlaunig. Er warf seinem Herrn, wenn er sich unbeobachtet glaubte, Blicke zu, die mich erschreckten, wie von verhaltenem Grimm und nur versparter Rache.

So hatte ich mein fünfzehntes Jahre erreicht. Die Liebe für Arthur war mit mir groß geworden, ach! so riesengroß, daß an kein Bekämpfen zu denken war. Er war fort, um in Edinburg die Rechte zu studiren, aber sein Bild verließ mich nicht, und ich opferte ihm in treuer Liebe alle Hoffnungen meiner Zukunft. Thomas lächelte mich stets geheimnißvoll an, und versicherte: es werde alles ein gutes Ende nehmen, ich solle nur ihm vertrauen.

Es mochten seit Arthurs Abreise drei Jahre vergangen sein. In einer stürmischen Mitternacht ward ich aus dem Schlafe geweckt, um nach Schloß Linlithgow zu gehn, wo, wie man sagte, wichtige Veränderungen vorgegangen. Mylady kränkelte schon seit Monaten und ich war in der letzteren Zeit weniger, als sonst zu ihr gekommen. Auch Branda sah ich seltener, und so wußte ich nicht, daß Lady Mathilde immer schwächer geworden, und jetzt im Sterben lag.

Ich folgte, durch diesen plötzlichen Befehl aufgeschreckt, und mit hellerwachter Liebe für die gütige Wohlthäterin, die mir, trotz ihrer Strenge so viel Gutes erwiesen, dem Diener Thomas, der finsterer, als je aussah, und nur von Zeit zu Zeit die rechte Hand aufhob, und den Mund in höhnischem Grinzen verzog. Mir ward unbeschreiblich unheimlich in der Nähe des Mannes, und ich war Seelenfroh, als die Hallen des stattlichen Schlosses mich in ihre Schatten aufnahmen. Bleibt Euren Liebsten treu Mist Anna! – rief der Haushofmeister  mir flüsternd zu, als wir an die Wohnzimmer gelangt waren – und bedenkt, daß Gott der Treulosigkeit harte Strafen aufspart. Es wird alles ein gutes Ende nehmen, und Ihr Gräfinn von Breadalbann heißen. Wie mit eiskaltem Schauer durchdrangen mich seine Worte, ich wußte nicht warum, und ich eilte verwirrt in das Versammlungszimmer, das ich hell erleuchtet, und mit mehreren Personen erfüllt fand, von denen ich Lord Linlithgow, den Vicar Lesley, und die mächtigen Vettern Myladys: den Herzog von Argyle und den Grafen Douglas erkannte. Im Nebenzimmer lag auf dem Todtbette die Schlossesherrinn; Arthur und Branda knieten vor ihr, den mütterlichen Seegen empfangend zu einem Eheband, das mir noch unbekannt war. Der Lord eilte heftig auf und ab, bei meinem Eintritt stürzte er mir entgegen, und schloß mich in seine Arme. Leise, und als fürchte er, daß die Vettern seiner Gemahlin ihn verstehen möchten, flüsterte er mir zu: die zärtliche Mutter und jene stolzen Männer haben dies Schauspiel bereitet, und weil Mylady im Sterben liegt, fügt sich das ganze Haus demselben. Aber Arthur liebt nur dich Anna! und auch ich liebe dich, und schwöre bei jenem bleichen Schatten, der mir auf der Brandstätte des öden Eilandes erschien, dich als Gräfinn Breadalbann einzuführen in die Hallen des stolzen Lairdshauses. Wie wunderbar erschütterten mich diese Worte, sie gaben denen des Dieners Thomas ein eigenthümliches Gewicht, und ließen an eine geheimnißvolle Verbindung dieser beiden Menschen glauben.

Der Vicar eilte ins Nebenzimmer, um der Kranken die letzte Oehlung zu geben; die Vettern derselben und Laird Linlithgow folgten mit jenem hohen Anstande der großen Welt, der sich selbst in Scenen, die  eigentlich nur dem Gemüthe angehören, nicht verläugnet.

Nachdem die heilige Ceremonie geendigt, ließ Lady Mathilde mich rufen. Sich trat an ihr Bette, und empfing den Abschiedsseegen dieses edlen Herzens. Um alle Schätze der Welt möchte ich ihn nicht missen, und er rührt mich heute nach zehn Jahren in eben dem Grade, als er es damals that, da die bleiche Frau ihre zitternde Hand auf mein Haupt senkte.

Am anderen Tage war sie todt! ihre Leiche ward in einer feierlichen Mitternachtsstunde in der Schloßkapelle beigesetzt. Als der Trauerzug zurückgekehrt war, ließ der Laird mich in sein Geheimzimmer rufen, wo ich Arthur und Branda fand.

 

In seinen Augen glühte ein tiefes Feuer; bedeutsamer angeregt hatte ich seine Züge noch niemals gesehn. Er begann nach langer Sammlung mit fester, und von Zeit zu Zeit durch das ihn überwältigende Gefühl wankender Stimme: Nicht scheint es mir der Lebenden Pflicht, Gelübde zu halten, die nur der Drang des Augenblicks den Todten zu geben nöthig machte, und so auch entbinde ich mich feierlichst von dem meiner Gemahlin gegebenem: ihre und meine Tochter Branda dem Lord Campbell Grafen von Breadalbann zu vermählen. Denn ein früherer, heiligerer Eid, den ein belastetes Gewissen leistete, den die Erkenntniß der Sünde dem reuevollen Herzen abrang, verpflichtet mich meine nicht minder geliebte Tochter Anna diesem Edlen zu vereinen, und so eine schwere Schuld zu sühnen, die ich an ihrer Mutter beging. Diese war ein Fischermädchen auf der Insel B . . . . . und ward mir Gattinn. Ich lohnte ihre Hingebung durch Treubruch, zu dem der Umstände wunderbares Walten mich bestimmten. Aber sie sollen nicht zum zweiten Mal Meister meiner Handlungen werden, und mich mit dem Besseren entzweien. Der Haushofmeister Thomas Lindström ist der Vater meiner ersten Gemahlin. Racheglühend erschien er in meinem Hause, die gemordete Tochter mir abfordernd. Meine Reue stillte seinen Zorn; doch schläft er nicht, und würde schrecklich erwachen bei Annas Vernachlässigung. Denn wie ein Mahner steht er neben mir, und dünkt mich ein Diener der Nemesis, die es mir als schmerzliches Opfer gebietet: das Lebensglück der einen Tochter mit dem der anderen zu erkaufen. So wollen es die Schicksalsmächte, und ich klage nicht. Auch ich nicht – rief Branda, ihr schönes Haupt mit kindlicher Hingebung in seine Hände legend. Annas Glück ist das Meinige. Brandes Glück ist mein Glück – rief ich begeistert; ich will ihr Opfer nicht. Laßt das nun – bat der Laird mit Unruhe, und erschwert mir meine Pläne nicht durch unzeitigen Edelmuth. Ihr werdet in wenigen Tagen nach der Insel B . . . . . . abgehn, wo Arthurs und Brandas Trauung vollzogen werden wird. Die mächtigen Vettern meiner Gemahlin, die diese Vermählung zum Theil einleiteten, müssen das Brautpaar mit einander vorm Altar stehen sehn, um befriedigt zu sein. Den Grund für dieses ungewöhnliche Handlen finde ich leicht. Die heimliche Trauung  aber, die in Schottland unbekannt bleibt, wird dazu dienen, die augenblickliche Scheidung und Annas Vermählung zu erleichtern, und hängt überdem mit einem Gelübde zusammen, das ich an heiligem Grabe abgelegt.

Dieser Plan trug die Spuren geistiger Zerrüttung, an der, der unglückliche Vater wirklich von Zeit zu Zeit litt, und schien eben so unmotivirt, als für den beabsichtigten Zweck, undienlich. Erst später erfuhr ich, daß der Großvater ihn ausgebrütet, und der Laird sich ihm mit gewohnter Schwäche gefügt. Welche schreckliche Absicht Thomas dabei hatte, wird spätere hin klar werden.

Er wählte unter den von ihm gewonnenen wilden Hochländern eine Begleitung auf dieser abentheuerlichen Fahrt und rüstete zwei Schiffe für dieselbe aus. Die Vettern der Lady Mathilde verwarfen mit Entschiedenheit den Vorschlag in so unehrender Gesellschaft, die der Grosvater der von  ihnen gehaßten und verachteten Nebenbuhlerinn Brandas anführte, die Fahrt über Meer zu machen, und mögen in verschiedenen Unterredungen, aus denen der Laird stets heftig erschüttert zum Vorschein kam, ihm hart zugesetzt haben: solche Tollhäuslerstreiche aufzugeben: Doch waren Thomas Einwirkungen stärker; Reue, Furcht vor schrecklicher Rache an mir, und vielleicht eine angeborne Charakterschwäche, gaben den unglücklichen Vater diesem ganz zu eigen.

Unter Branda und Thomas schienen Verabredungen statt zu finden. Er ward stets triumphirender; sie immer stiller und bleicher, und das glühende Feuer der Augen wandelte sich in eine trübe Glut der Schwärmerei, vor der ich erschrack, ohne zu wissen, warum.

Warum ich nicht gleich mit Arthur zum Altar trat, warum dies wunderliche Spiel begonnen ward, das jetzt ja vollends nicht nöthig war, weiß ich nicht. Ich war jung, durch den Drang des Augenblicks verwirrt, und fügte mich willenlos fremder Willkühr.

Wir landeten in jener stürmischen Mitternacht an Ihrer Insel. In die Tracht eines Hochländers gekleidet begab ich mich mit dem Zuge in die Kirche. Sie wissen das Uebrige nur nicht, daß es die Hand des unversöhlichen Thomas Lindström war, die Branda tödtete.

Ein undurchdringlicher Schleier liegt über den Motiven dieser schrecklichen That, und ob sie selbst vielleicht, um dieselbe gewußt, vielleicht sogar den Mord verlangt in der krankhaften Stimmung ihrer Seele. Ich werde an der Lösung dieses Räthsels den Tod finden. Brandas Schatten reißt mich ins frühe Grab.«


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Nach acht Tagen schon lag neben Brandas Grabe ein zweiter Hügel. Er war mit Blüthen sinnreich geschmückt, und enthielt Annas irdische Ueberreste.


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Anmerk. des Herausgebers.

Unsere holden Leserinnen und freundlichen Leser erinnern sich vielleicht noch, die hier bearbeitete Sage in Schlegels Musenalmanach, durch einen geistvollen Dichter, in Terzinen angeschaut zu haben. Die seelige Benedickte Naubert versuchte gleichfalls ihr schönes Talent daran, in einem Roman Namens Rosalba, eine Deutung des tief anregenden nordischen Räthsels, und zwar durch nordliche Frauenhand.


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1 Es ist ein Glaube, der im Herzogthum Schleswig verbreitet ist, daß er dann vorzüglich  gedeiht.