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01. Oktober 2007

Ida Gräfin Hahn-Hahn - Die Insel.     Zur Biographie


aus: Gedichte, F. A. Brockhaus, Leipzig, 1835, S. 48 f.



Siehst du in des Stromes Wogen
Jenes grüne Inselland? –
Meine Wünsche sind gezogen
Mit ihm an den fernsten Strand.


Diese Wünsche liehen Flügel
Jener Insel, und sie trug
Über Thäler, über Hügel
Fort, und fort – im schnellen Flug.


Zu des Himmels fernster Ferne
Schwebte sie mit uns empor;
Dort, im Kreis der Sonn' und Sterne,
Sie der Flügel Kraft verlor.


Doch wie sonst die blaue Welle
Ihre Ufer mild umspült,
So trug nun des Äthers Helle
Sie, von weicher Luft gekühlt.


Und wir waren – nur wir Beide –
Auf dem Inselchen allein,
Und des Himmels reinste Freude
Zog in unsre Herzen ein.


Wonn' umfing nun die Beglückten,
Wonne, die sie nie verließ,
Und von nahen Sternen blickten
Engel in dies Paradies.


Sieh, dies waren Wünsch' und Träume! –
Bist genügsam du wie ich? –
Ließest du der Erden Räume? – –
Wär' das Welt genug für dich? – –





20071001_Die_Insel

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