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16. November 2007

Otto Julius Bierbaum – Monolog des Mars     Zur Biographie


(nach dem großen Gefechte am Jalu)

aus: Otto Julius Bierbaum, Der neubestellte Irrgarten der Liebe, Insel Verlag, Leipzig, 1906, S. 227 f.



Beim Achseldufte meiner lieben Frau
(Ich meine: seiner, die die meine ist!),
Bei ihren Löckchen hier und dort und da!
Bei ihren Augen, wenn sie übergehn
Vor ihrer, meiner, unsrer Seligkeit!
Bei ihrer Brust, für die den Göttern selbst
Das Wort fehlt, würdig ihrer reifen Pracht!
Bei ihrem Mund! Bei ihrer Haut! Bei ihrem Hals!
Bei ihrem Lächeln, das die Lust gebiert,
Den Mut, die Kraft und jeden Überschwang!
Bei allem, das von ihrer Schönheit Gnaden ist,
In ihr und an ihr und von ihr ausgeht
Als frohe Botschaft über alle Welt:
Freut euch der Schönheit, lebt in Lust, genießt
Der wonnevollen Kraft, die gibt und nimmt!–:
Bei Aphrodite! Dieses ist mein Wort:
Die kleinen Kerlchen mit dem Sonnenball
Im Waffen machen ihre Sachen gut.
Wie Tiger springen sie den Gegner an,
Doch wohl bemessenen Sprungs und voller List,
Wie sichs gebührt, wo Tod die Losung ist.


Ich bin zufrieden mit dem gelben Volk.
Gleich einem Körper ist es anzusehn,
Gewaltig eins in Willen und in Tat,
Und macht den Krieg zur meisterlichen Kunst,
Daß jeder Kenner im Parkett gesteht,
Dies Schauspiel ist vortrefflich angelegt,
Von starkem Baue, gut gegliedert und
Bei aller Folgerichtigkeit doch reich
An Überraschungen voll Geist und Kraft.


Noch haperts leider bei den Russen, doch
Ich hoffe: Sie auch spielen sich bald ein.
Ich hielt von jeher viel auf ihr Talent
Und bin etwas enttäuscht, ich leugn es nicht,
Indes, wer weiß, vielleicht ist wohl bedacht
Die zaudernd zähe Exposition,
Und plötzlich bricht, was auch sehr wirksam ist,
Die Peripetie mit Doppelschlag herein.
Mit seinem Urteil muß man nicht voreilig sein.





20071116_monolog des mars

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