ngiyaw-eBooks Home

30. März 2008

Louise Brachmann – Der Frühling.     Zur Biographie


Louise Brachmann, Auserlesene Dichtungen, herausgegeben von Professor Schütz zu Halle, Weygand'sche Buchhandlung, Leipzig, 1834, S. 184 f.


Der Frühling.

Von neuem Leben schwellen
Die Pulse der Natur,
Es flüstern zarte Quellen
Durch die erwachte Flur.


Nicht mehr von Eis gebunden
ist ihre milde Fluth;
Der Zwang ist überwunden
Durch zärtlich starke Glut.


In duftig grünen Lauben,
Von Blüthe reich beschneit,
Da wohnen sanfte Tauben
In holder Einigkeit.


Und Nachtigallen schlagenden
Im zartbegrünten Hain,
Und hauchen süße Klagen
Bei Mondes Zauberschein.


Doch wo an lichten Matten
Der dunkle Hain erblüht,
Und unter Rosenschatten
Die freud’ge Quelle flieht;


Dort mag vor Mittagsschwüle
Wohl Lieb’ und Unschuld ruhn
An linder Wellenkühle
Mit holdem Wort und Thun.


Du fühlst dich leis ermatten
Von unbekanntem Weh,
Und fliehst zum Rosenschatten,
Zu Haines Blüthenschnee.


Aus duftigen Gebüschen
Weht labend milder Gruß;
Es netzt, ihn zu erfrischen,
Die Welle sanft den Fuß.


Doch fühlst du nicht das Wehen
Der schmerzlich holden Macht,
Die still und ungesehen
In allen Zweigen wacht?


Wohl wird dem Reiz der Glieder
Hier kühle Ruh zu Theil,
Doch senkt zum Herzen nieder
Nur heißer sich der Pfeil.





20080330_Louise Brachmann - Der Frühling
20080330_Louise Brachmann - Der Frühling