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28. Juli 2008

Pierre-Jean de Béranger – Hymens Weihe.     Zur Biographie


aus: Die französische Lyrik im 19. Jh., Mit eigenen Übertragungen von Sigmar Mehring, Verlag von Baumert und Ronge, Grosshain und Leipzig, 1900, S. 29 f.


Hymens Weihe.

Zwei, die zur Kammer zieh'n,
Will Hymen heut empfangen.
Rings schwirren Melodien,
Wie niemals süß're klangen.


Ein Spalt erlaubt uns, traun!
Die Szene anzufangen:
Sie ist voll Reiz zu schau'n
Er zähmt kaum sein Verlangen.


Noch sucht sie zu entflieh'n
Und sträubt sich beim Umfangen.
Er läßt den Schatz nicht zieh'n
Und hält sie wie mit Zangen.


Er löst ihr das Gewand,
Und sie erfaßt ein Bangen.
Schon triumphiert der Fant,
Bald giebt sie sich gefangen.


Doch eh' die Wünsche, die
Er hegt, ihr Ziel errangen,
Entschlüpft dem Lager sie, –
Der Fang ist ihm entgangen.


Halt! Er erhascht sie schon,
Sie läßt das Köpfchen hangen,
Bis endlich Fleh'n und Droh'n
Die Schöne doch bezwangen.


Nun brummt er einen Fluch.
Und – was auch vorgegangen:
Der Ehe seltsam' Buch
Hat jetzt erst angefangen!





20080628_Pierre-Jean de Béranger - Hymens Weihe.

20080628_Pierre-Jean de Béranger - Hymens Weihe.