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16. August 2008

Charles Baudelaire – Verdammte Frauen.     Zur Biographie


aus: Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen, Nachdichtungen von Stefan George, Bondi Verlag, Berlin, 1901, S. 157 f.


CXXXVI

Verdammte Frauen

Wie rinder sinnend auf den uferkieseln
So blicken sie zum fernen himmelsrand ·
Mit sanftem sehnen und mit fieberrieseln
Verschlingt sich fuss mit fuss und hand mit hand.


Die einen beichten ihrer herzen triebe
Im dunklen busch und an des baches saum ·
Sie reden von der bangen kindheitliebe
Und ritzen schrift in einen jungen baum.


Und jene ziehn wie schwestern durch die wüste
Wo manche wunderbare that geschah ·
Wo Sankt Anton die nackten purpurbrüste
In der versuchung sich erheben sah.


Ein andrer teil der bei des peches dünsten
Im stummen schlund von zauberhöhlen weilt
Ruft dich herab in ungestillten brünsten ·
O Bacchus! der die alte reue heilt.


Noch andre schmücken sich mit skapulieren
Und bergen geisseln in der kleider bausch ·
Sie mischen nachts in einsamen revieren
Der folter thränen mit der freude rausch.


Ihr mädchen weiber · dulder oder sünder ·
Beherzte spötter ihr der wirklichkeit ·
Des unbegrenzten eifrige ergründer
Die ihr in wildem wechsel weint und schreit:


In mitleid folgt ich euch in eure hölle ·
Euch armen schwestern bin ich zugewandt
Ob eurer qual ob eurer gierden völle
Ob eurer herzen gross und liebentbrannt.





200800816_Charles Baudelaire – Verdammte Frauen.

200800816_Charles Baudelaire – Verdammte Frauen.