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19. August 2008

Susanne von Bandemer – Erotischer Missmuth.     Zur Biographie


aus: Susanne von Bandemer, Neue vermischte Gedichte, Berlin, 1802, S. 110-112


Erotischer Missmuth.

Fluch sey dir, verrätherische Liebe!
Alles Unglück stammet von dir her,
Du verschleierst nur entweihte Triebe,
Und die Menschheit kennet dich nicht mehr.


Buhlerey ist was man Liebe nennet,
Falschheit und Betrug strebt nach Genuss;
Und Begierde, die das Herz entbrennet,
Schändet oft der Freundschaft heil’gen Kuss.


Nicht Gefühl, das noch in jenem Leben
Unsres Daseyns Seligkeit vermehrt:
Das den Geist zum Engel kann erheben,
Und der Menschheit Würde nie entehrt.


Nichts von dem wird in dem Busen lodern,
Der sich buhlerischer Liebe weiht:
Was die Lüsternheit der Sinne fodern,
Nennet man Gefühl und Zärtlichkeit.


Nein, so hass’ ich, Liebe, deine Bande,
Deiner Allmacht flucht mein blutend Herz!
Und doch fühl' ich noch, zu meiner Schande,
Deiner Qualen ungeheilten Schmerz.


Fühle sie bis zu der letzten Stunde,
Wo des Lebens Zauberrausch verfliegt,
Und der Richter die geschlagne Wunde
Meines Herzens – meine Thränen, wiegt.


Gab ich nicht so rein und unbefangen
Alles, was die Liebe geben kann,
Ihm, dem Einzigen! den mein Verlangen
Heiss und voller Sehnsucht liebgewann?


Aber, ach! es ändern sich die Scenen
Eh' der Knoten noch sich fest geschürzt;
Und benetzt mit tausend heissen Thränen
Liegt mein Glück hin in ein Nichts gestürzt.


O, so mag diess Herz mein Urtheil sprechen,
Das allein so wahr, so innig liebt.
Mag die Wollust nur die Rosen brechen,
Die sie lächelnd ihren Sklaven giebt


Ich verachte ihre schnöden Freuden,
Und die Liebe, die mein Herz verrieth;
Bis mein Geist nach durchgekämpften Leiden
Zu dem Thron der reinsten Liebe flieht.





200800819_Susanne Bandemer - Erotischer Missmuth

200800819_Susanne Bandemer - Erotischer Missmuth

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