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6. Oktober 2008

Eduard Grisebach – Jungfräulich.     Zur Biographie


aus: Die zehnte Muse, Dichtungen vom Brettl und fürs Brettl, herausgegeben von Maximilian Bern, Verlag Otto Eisner, Berlin, 12. Tsd. 1904, S. 84.


Jungfräulich.

Dass andre dich vor mir besessen,
Hab' ich an deiner Brust vergessen,
Du sahst mich an so kindlich rein –
Der erste glaubt' ich stets zu sein.


Und immer, wenn ich wieder kam,
Umhüllte dich so süsse Scham,
Dass ich nicht wusste, keusches Weib,
War wirklich mein schon dieser Leib?


So wie der Mai stets wieder mailich,
Warst du von neuem stets jungfräulich,
Und eine bange Brautnachtfreude
Entzückte täglich so uns beide.





20081006_Eduard Grisebach - Jungfräulich.