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25. Oktober 2008

Carmen Sylva – Sonnentrauer.     Zur Biographie


aus: Cotta'scher Musen-Almanach für das Jahr 1892, Herausgegeben von Otto Braun, J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart, 1892, S. 247.


Sonnentrauer.

Wer nimmt das Licht mir, all das Licht,
Das mich verzehrt, das unerträglich
Gewalt'ge Licht, das von mir bricht,
Unendlich stark und unbeweglich?


Rings um mich her ist dunkle Nacht,
Der Himmel schwarz, kein Schwesterstrahlen
Hat mir die Lüfte licht gemacht,
Allein bin ich, mit Freudenqualen,


Und fühle doch, daß Welten sind,
Die Aethernächte zu verschönen,
Daß um sie her ein Lichtstrom rinnt,
Daß ihre Strahlen lieblich tönen.


Doch meines Brandes Allgewalt
Läßt mich die Welt als Wüste ahnen,
Für mich bleibt Finsternis geballt,
Und Schweigen längs der Strahlenbahnen.


In meines Glanzes Einsamkeit,
Im klangreich ungewollten Sprühen,
Muß ich durch stumme Dunkelheit,
Von Schmerz verklärt, wie Freude glühen.





20081025_Carmen Sylva - Sonnentrauer.