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2. November 2008

Rachele Botti-Binda – Die Wäscherin.     Zur Biographie


aus: Deutsche Dichtung, Herausgegeben von Karl Emil Franzos, 21. Band, Oktober 1896 bis März 1897, Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, Berlin, 1897, S. 136


Die Wäscherin

Übertragen von Paul Heyse.

Die weißen Linnen zieht sie aus der Welle,
Breitet sie sorglich aus und späht umher
In steter Furcht, daß tückisch irgendwer
Den reichen Raub wegtrage von der Quelle.


Das Seil dann schlingt sie um den Weißdorn her
Und trällert übermüt'ge Ritornelle,
Und in den dunklen Augen blitzt es helle,
Als ob ein Schalk darin verborgen wär'.


Das feine Hemd der jungen Frau, am Saume
Mit Spitzen reich verziert, bestaunt sie lange.
Es ist, als ob es ihr erzähl' im Traume


Von Heimlichkeiten süßer Liebeslust.
Doch singt sie, doch es klingt so wild und bange
Und stille Seufzer heben ihre Brust.





20081102_Rachele Botti-Binda - Die Wäscherin.