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19. November 2008

Carmen Sylva – Die Venus von Milo.     Zur Biographie


aus: Carmen Sylva, Meerlieder, Verlag von Emil Strauß, Bonn, 1891, S. 69 f.


Die Venus von Milo.

Phtaïs mit dem Leib wie Elfenbein,
Mit Zähnen weiß wie weiße Wolle, wie
Von jungen Ziegen, die vom Bohnenbaum
Sich nähren, Phtaïs mit der goldnen Haut
Wioe eine keimende Olive, Phtaïs
Mit Perlmutterhänden, rosig zart,
Wie rosenrothe Muscheln, Phtaïs, so
Harmonisch, voller Ebenmaß wie Gras,
Wie junges Gras ist unterm Himmel, den
Der Regen just gewaschen, Phtaïs
Ersah den ersten Mann und glaubte bebend,
Er sei gekommen sie zu lieben, streckte
Die Arme ihm entgegen, mit den zarten,
Rosenrothen Fingerspitzen, und
Ihr schwillt der Busen, und sie ahnt nicht, daß
Ein Gott ist jener Mann, der Erste, den
Sie sah! Es war Naptun. Er aber wähnte,
Es sei ein Schaumgebild, das er erspäht,
Kein lebend Zauberwesen, und zum Spaße
Schlug mit dem Dreizack er nach ihr, und traf
Zum Tode sie, die wunderschöne Phtaïs!





20081119_Carmen Sylva - Die Venus von Milo.

20081119_Carmen Sylva - Die Venus von Milo.