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20. November 2008

Wilhelm Hertz – Das Hexenkind.     Zur Biographie


aus: Wilhelm Hertz, Gedichte, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1859, S. 157-160


Das Hexenkind.

Die drüben spinnt im Mondenschein
     Mit einer schwarzen Spule,
Das ist der Hexe Töchterlein
     Und meine süße Buhle.


Da haben wohl das braune Weib
     Noch Engellein entbunden,
Als sich dem wehgesprengten Leib
     Solch süße Frucht entwunden.


Es war in der Walpurgisnacht,
     Wo sich die Hexen schaaren,
Da kam sie durch des Schlotes Schacht
     Zu mir an's Bett gefahren.


Ihr weicher, elfenweißer Arm,
     Der wollt' mich fast erdrücken;
Sie sprach: Mich friert, dein Bett ist warm,
     Willst nicht ein wenig rücken?


Sie schmiegte sich mir drängend an
     Mit ihrem kühlen Leibe,
Da ward mein Sinnen unterthan
     Dem wilden Wunderweibe.


Sie sprach: Mein Vater schlummert fein,
     Von Zauberdunst umschwommen;
Mich aber hat mein Mütterlein
     Zum Blocksberg mitgenommen.


Den Rauchfang durch gieng unsre Bahn,
     Sie nahm den Stock geschwinde:
Nun obenaus und nirgend an!
     Hui, stiebt's durch die Winde.


Die Hexen saßen um den Tisch,
     Ich sollte Kröten hüten,
Und Junker Volland Flederwisch
     Begann ein grimmes Wüthen.


Es steht ein Lindenbaum am Wald
     Mit wenig kahlen Zweigen,
Drin hängt des Spielmanns Grabgestalt,
     Der hebet an zu geigen.


Die Fiedel ist ein Todtenbein,
     Die Saiten von Menschengedärmen;
Er spielet schrille Medolei'n,
     Die Hexen tanzen und lärmen.


Da schlich ich seitwärts wie ein Dieb,
     Hab' meinen Stock genommen, –
Und weißt, mein Bub', ich hab' dich lieb,
     Drum bin ich zu dir kommen. –


So schwatzt die wilde Mid und lacht,
     Ich lauscht' in süßem Grausen.
O Sturmwind jener Maiennacht,
     Wie wonnig war dein Saufen!


Seitdem ist mein das Zauberkind;
     Wenn sich die Hexen schaaren
So kommt sie wie ein Wirbelwind
     Durch meinen Schlot gefahren.


O Wollust! Ueberschwenglich auch
     Dem flammendsten Gelüste! –
Ich sink' mit gluthersticktem Hauch
     Auf ihre Lilienbrüste.


Das ist mein einzig Ungemach:
     Vom Frei'n will sie nichts wissen,
Hat lachend, als ich soclhes sprach,
     Den Mund mir stumm gebissen.


Doch wird mir manches Wunder kund,
     Wenn wir zusammen kosen,
Und lacht ihr perlenreicher Mund,
     So regnet's rothe Rosen.


Bald heben wir bei heil'ger Nacht
     Den Schatz im Felsgerölle. –
So treibt des Himmels hold'ste Nacht
     Unhaltsam mich zur Hölle!


Nicht in des Scheiterhaufens Brand
     Weich' ich von ihrer Seiten,
Und will mit dir durch Holla's Land
     Auf einem Rößlein reiten.





20081120_Wilhelm Hertz - Das Hexenkind

20081120_Wilhelm Hertz - Das Hexenkind

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