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21. November 2008

Paul Heller – Mit dir.     Zur Biographie


aus: Die Botschaft, Neue Gedichte aus Österreich, Gesammelt und eingeleitet von E. A. Rheinhardt, Verlag Ed. Strache, Wien, Prag, Leipzig, 1920, S. 127 f.


Mit dir.

Ob dir der Freund die kühlen Hände reicht,
Ob Lärchenzweige zu dir niederhangen,
Ob du am Altar Brot und Wein empfangen,
Die Trauer ist es nicht, die von dir weicht.


Denn noch hast du ein Wähnen in der Brust,
Wie Sünde manchmal, die die Väter trugen,
Beleuchtet wird, wenn Flammen aus dir schlugen
Und du erlischst und weinest unbewußt.


Dir hülfe nur, wenn einmal deine Zeit
Aufführe jäh mit lärmenden Motoren
Und, wenn die Welt sich tief in Rauch verloren,
Hinübersänke in die Ewigkeit.


Noch schautest du zu Füßen trüben Schein,
Bald aber wähntest du, da schon inmitten
Blendender Sonnen deine Flügel glitten:
So dunkel kann es nicht gewesen sein.


Oder wenn auf der Halde, wo du liegst
Im rauhen Moose, das sich sträubt im Winde,
Ein Quell den Ausgang strömend aus dir finde
Und ungestaut und daß du nie versiegst.


Und die Gebirge öffneten den Mund.
Der Strom erlöste, der vom Himmel wehte.
Brausend die wilde Zunge zum Gebete
Mit dir. Mit dir und du in ihrem Bund.





20081121_Paul Heller - Mit dir.

20081121_Paul Heller - Mit dir.