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5. März 2009

Bianca Bobertag – Meine Träume.     Zur Biographie


aus: Deutsche Dichtung, Herausgegeben von Karl Emil Franzos, Vierundzwanzigster Band, April 1898 bis September 1898, Concordia Deutsche Verlagsanstalt, Berlin, 1898, S. 158.


20090305_Thomas Cole - Kaaterskill Falls

Thomas Cole – Kaaterskill Falls


Wilder Tauben Schwarm von umwölkten Hügel,
Dunkelgrün bekränzt mit dem Schmuck der Wälder,
Hebt im Dämmerlicht der betauten Felder
Silberne Flügel.


Schweigend durch das Meer der erblauten Feuchte
Schwimmen sie dahin, über Hang und Klüfte,
Ziehn den raschen Flug durch der frühen Lüfte
Nebelgeleuchte.


Schwimmen morgenwärts, und es färbt ein Glühen
Horizontes Rand und die grüne Breite,
Färbt den lichten Strom und der ernsten Weite
Schweigendes Blühen.


Hei! wie stürzen da in den sel'gen Morgen
Silberflüglig sie, in das Glutgetauche,
Bis ihr Fittich still wie in Heimathauche
Ruhet geborgen.


Also ziehn zu Dir meine morgenfrühen
Träume, hin zu Dir von erwachtem Pfühle
Die Gedanken all, um aus Dämmerkühle
Dir zu erglühen.


Ach, Du spürst wohl nicht ihrer Flügel Kosen
Um die Schläfen Dir, Dir um Ohr und Wangen,
Oder ahnest Du ihres Flatterns Bangen,
Scheuchst Du die losen,


Daß sie müde ganz, ohne Willkomms Glück mir,
Wie von rauhem Fels, von umwölkten Hügel,
Traurig mit der Qual der erschöpften Flügel
Kehren zurück mir?!


Stille! Jüngst noch kam mir in Jubelwogen
Ihr beglückter Schwarm, wie von Heimatklippen:
Lächelnd hattest Du sie an Brust und Lippen
Schmeichelnd gezogen.





20090305_Bianca Bobertag - Noch einmal.