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22. Oktober 2009

Friederike Brun – Opfer an Hygiea.     Zur Biographie


aus: Friederike Brun, Gedichte, Orell, Gessner, Füssli & Comp., Zürich, 1795, S. 18f.


20091022_Griechische Göttin Hygiea

Griechische Göttin Hygiea


Höre mich, Hygiea! Du rosenwangige Göttinn,
Sey der Flehenden hold, welche voll Hoffnung sich naht!
Statt der lachenden Horen, die sonst mein Leben umschwebten,
Schwärmet der Plagen Heer mir ums brennende Haupt.
Schöne freundliche Göttinn! gebeut den nächtlichen Plagen;
Stürze mit mächtigem Arm sie in den Orkus hinab!
Siehe der Jugend Schmuck, das braune wallende Haupthaar;
An des Altares Fuß leg' ich weinend es hin!1
Ach ein theures Opfer! Es war der Gespielinnen Freude,
Wenn wir beym häuslichen Fest kränzten das glänzende Haar;
Tändelnd haschten die Kindlein die langen wehenden Locken,
Hob sie der scherzende West höher im frölichem Tanz.
Darum segne den Quell, auf daß ein frischeres Leben
Kühlend vom Scheitel hinab dämpfe die dörrende Glut!
Sei der Flehenden hold, o rosenwangige Göttinn!
Schenke Gesundheit mir, schenke mir frölichen Sinn!


1 Die Verfasserinn mußte, um mit Nutzen kühlende Kopfbäder gegen ein hartnäckiges Kopfweh gebrauchen zu können, sich das Haar abschneiden.



20091022_Friederike Brun - Opfer an Hygiea.

20091022_Friederike Brun - Opfer an Hygiea.