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Felix Beran – Die Kurtisane     Zur Biographie


Aus: Felix Beran, Gedichte, Im Rhein-Verlag, Leipzig und Basel, 1921


20110801_ Bartolomeo Veneto - Kurtisane

Bartolomeo Veneto – Kurtisane


Die Kurtisane

Du gehst im Faltenwurf der Freude,
Die Pfauenfeder schwingt dir überm Haar,
In Seide fließen deine Glieder,
Und deine Hüften gürtet giftiges Gold.


Wenn du durch deine Straßen rauschest,
Verzieht das Hökerweib die Nase,
Die Kahlgewordnen deuten mit dem Finger,
Lorgnetten zucken, das Monokel starrt.


Doch Könige und Dichter beugten dir das Knie!


Jungknaben, die ein Wegstück dich begleiten,
Lernen in Anmut gehn.
Und mancher Mann
Bringt dir in einer Dämmerstunde sein unerlöstes Leid.


Den Krüppel lässest du an deiner Qnelle trinken
Und den,
Der an des Wissens Brille sich blind geschaut.
In deinen Armen,
Die immer rufen, niemals halten,
Findet noch der Verlaßne Rast.


Du hast aus plumpem Fraße Speise zubereitet,
Und zwischen Blumen köstlich aufgetischt.
Und der am lautesten dich schmäht,
Weiß nicht, wie tief in deiner Schuld
Schimmernden Strumpfes seine Gottheit geht.







20110801_Felix Beran – Die Kurtisane