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Eufemia Gräfin Ballestrem di Castellengo – Waldeinsamkeit.     Zur Biographie


Aus: Unsere Frauen in einer Auswahl aus ihren Dichtungen, Poesie-Album zeitgenössischer Dichterinnen von Karl Schrattenthal, Verlag von Greiner & Pfeiffer, Stuttgart, [1888]


Waldeinsamkeit

Adolf Hölzel – Woman in a Wood

Waldeinsamkeit.

Waldeinsamkeit! Es rieselt und rinnt
       Der Bach über moosige Steine –
       Durch Zweige und Wipfel rauscht heimlich der Wind,
       Waldmeister duftet am Raine;
       Und über den Bach dehnt die Eiche den Ast
       Und kost mit den Wellen, den klaren –
       Er trägt eine herrliche, blendende Last,
       Ein Weib mit goldigen Haaren.
Das ist des Waldes liebreizende Fee,
       Sie schaut in das wonnige Dunkel,
       Ihr leuchten die Glieder so weiß wie Schnee:
       Gleich schwarzer Demanten Gefunkel
       Ist ihres Anges hellstrahlender Schein,
       Mit weicher samtartiger Tiefe –
       Ist's nicht, als ob drin verborgen, allein
       Ein süßes, Geheimnis schliefe?
Und wonniglich singt sie ein leises Lied,
       Es rauschen den Chor die Bäume,
       Das Bächlein aber murmelt und zieht
       Und wecket sehnende Träume,
       Und goldig bricht hellstrahlendes Licht
       Durch's dunkle Blättergewirre –
       Es küßt der Waldsee holdes Gesicht
       Und huscht durch die träumende Irre.







Eufemia Gräfin Ballestrem di Castellengo – Waldeinsamkeit.